Akrox soll leben!

Man wird nicht jünger, besonders nicht, wenn man ständig damit beschäftigt ist älter zu werden. Natürlich hat das nicht nur gute Seiten und obwohl die Rente langsam in greifbare Nähe rückt, findet man sich ein ums andere Mal aufs übelste mit der harten Wirklichkeit konfrontiert. Zum Beispiel in krampfhaft gebückter Haltung, die Nase halb auf dem Fußboden schleifend auf dem Weg zum Arzt. Nee, mein erste Hexenschuss war nun wirklich kein Erlebnis, dass ich in naher Zukunft ein weiteres Mal haben muss. Genauso wenig meinen ersten, stressbedingten Hörsturz vor ein paar Wochen. Ich könnte schwören mein Chef hatte seine Finger im Spiel, als just eine halbe Woche vor meinem Urlaub das piepen begann mir den Verstand (und das Hörvermögen) zu rauben. Ich hab keine Ahnung wie er das angestellt hat, aber wer möchte sich schon mit den düsteren Tricks der dunklen Seite der Macht bekannt machen?

Ein Schnapsempfang
Spuren verwischen

Ein guter Trick ist immer sich irgendein positives Ziel zu setzen. Vor allem, wenn man kein Bock auf Emo (für die noch Älteren: Die sehen aus wie Gruftis, heulen nur mehr und die Weibchen hängen sich voll mit kleinen asiatischen Comic-Figuren und haben Ohren an der Kapuze) u. Ä. hat und auch nicht mehr soviel kotzen kann, wie man gerne trinken würde. Ähm. Mein Ziel jedenfalls ist nächstes Jahr ein Ausflug nach Australien. Ein Jahr lang Work & Travel wobei ich vorhabe zu viel wie möglich zu traveln und so wenig wie möglich zu worken. Ich hab auch kein Bock mehr auf Verantwortung oder Kreativ sein unter Zwang und schon gar nicht für so einen Ausbeuter wie meinen Chef. Möglichst gar nicht nachdenken müssen. Ich werde da schön Obst pflücken (und essen) und ebenso schön im Schatten bleiben, so oft es geht. Mal sehen ob das so klappt, aber ein Versuch kann wohl kaum schaden.

Tja. Das ist zurzeit mein Ziel. Was danach kommt ist mir erstmal relativ Lachs. Auch das ich meinen festen Job in einem weltweiten Touristikkonzern (mit guten Aufstiegchancen!) in die Tonne haue, kratzt mich nicht die Bohne. Im Gegenteil: Ich würde am liebsten sofort los, aber dann hätte ich wohl nicht genug Geld um dort den Lenz zu machen, außerdem muss noch soviel organisiert werden: Versicherungen, Reisepass, was passiert mit der Post… Und schon merkt man wieder, dass man doch nicht jünger wird und auch, dass man eigentlich nicht mehr einfach mal spontan irgendwas Größeres starten kann. Und etwas Größeres ist für mich momentan sogar einfach mal in der Woche auf ein Konzi zu gehen. Ich hasse es wenn ich total übermüdet und halb besoffen bei der Arbeit hocke, nichts gebacken bekomme und die Zeit zu schleichen scheint. Es heißt also spätestens um zwölf Uhr Feierabend, vorher noch die all abendlichen 2-3 Bierchen und entweder „TV-Party“ oder schmökern. Und das meistens auch jeden Abend alleine. Frust!

Aber in zwei Wochen zieh ich um, wieder in ne WG, mit sehr netten Leuten und -Hey!- nur fünf Minuten zu Fuß von meiner Arbeit weg. Das heißt, wenn ich um acht da sein muss, brauch ich erst um sieben vor acht aufstehen!

Dieses Wochenende war ich auf ne Geburtstagsfete von guten, alten Bekannten und Freunden von mir. Leute die ich schon viele Jahre kenne und die mich auch irgendwie lange Zeit begleitet haben. Und ich weiß so gut wie nichts über sie. Man traf sich halt immer mal auf Konzerten, ob nun eigene oder von anderen Bands. Man trank zusammen und führte fließend SmallTalk. Die Einladung hatte ich über MySpace bekommen, ein Copy&Paste-Brief, aber ich hab mich trotzdem gefreut. Vor allem mal wieder raus aus meiner stinkend langweiligen Bude und der dazugehörigen Einsamkeit und wieder frische, freie Luft schnuppern. Hier geschah es auch, dass ich mich mit einer dieser alten Freundinnen auch über das Fanzine unterhielt, als wir draußen beim Rauchen auf ner Mauer hockten. Ich glaube, ich versuchte sie grade davon zu überzeugen selbst mal ein Fanzine zu machen, als sie etwas sagte, auf Grund dessen ich jetzt hier sitze und diesen Text schreibe: „Du hast ja auch dein Fanzine gemacht und bist damit gescheitert.“ Ich hab das natürlich sofort dementiert und aufs Schärfste von mir gewiesen, das wäre ja überhaupt nicht so. Mit dem motivated Fanzine würde das Akrox ja schließlich weiterlaufen (auch wenn es jetzt zufällig seit etwa 2 1/2 Jahren etwas haken würde… Inspiration fehlt halt… blabla…). Später fragte ich mir, ob es nicht doch stimmte. Und kam nach einigen Nachdenken zu dem Schluss, dass alleine die Tatsache, dass jemand mit mir über ein ziemlich beklopptes Fanzine aus meiner Hand (von dem es mit allen fünf Ausgaben zusammen nur etwa 350 Exemplare gab) sprach, war schon ein Indiz dafür, dass es nicht gescheitert war. Aber es war gestorben. Irgendwann einfach eingeschlafen und keiner hatte die Lust verspürt es noch mal zu wecken. Tja, bis Rebecca mir einen Inspirationspartikel ins Hirn schoss. Das Akrox soll leben! Und wenn auch nur für eine weitere Ausgabe!

Im nachhinein ist das natürlich auch leichter gesagt als getan. Zwischendurch denk ich immer wieder: Warum machst du das eigentlich? Du hast doch eh keine Ahnung, was willst du denn den Leuten erzählen? Aber dann plündere ich einfach die Fanzine-Sammlung, welche sich mittlerweile hier angehäuft hat und lese mir wieder Motivation an. Das klappt immer. Vor allem drei Ausgaben vom ZineZine, die ich lange Zeit bei mir rumstehen hatte und denen ich bisher nur einen flüchtigen Blick schenkte, waren hier Balsam für die Seele! Die Hefte sind momentan meine ständigen Begleiter und versüßten mir schon so manche späte Stunde, während ich an irgendeinem S-Bahnhof darauf wartete das die nächste Bahn Richtung zu Hause endlich käme.

Dank dem ZineZine und anderen sehr guten Heften wie dem Human Parasit, dem PawPaw und den alten Ausgaben vom Barnabas sieht es hier bei mir nun wieder richtig gemütlich aus. Alles voll mit Fehldrucken, Papierschnipseln, Diktiergeräten, Interview-Kassetten, halbvollen Kaffeetassen und leeren Bierflaschen und mindestens fünf Testheften in verschiedenen Formaten. Wie zu Hause halt! Wundervoll! Das hab ich am meisten vermisst.

Kommentare | Kategorie: Artikel, Kolumnen

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