April April!

So zuverlässig wie am 24. Dezember der Weihnachtsmann kommt und am 1. Mai unvorsichtig geparkte Autos brennen, so sicher wird Jahr für Jahr so mancher mit mehr oder weniger gemeinen Tricks in den April geschickt. Ob es nun der Uralt-Scherz „Dein Schuh ist offen“ oder detailgenaue, schon seit Monaten vorbereitete Verarschungen sind, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Deutsches Brauchtum einmal anders… oder so. Lachen soll ja gesund sein. Als Beispiel sei mal der Arzt genannt, welcher dem ahnungslosen Patienten tiefernst erklärt, dass er noch genau zwei Tage zu Leben hätte. Das verspätete „AprilApril“ geht dann im folgenden Tumult unter, welcher von einem plötzlichen Herzstillstandes des Hereingelegten verursacht wird. Oder der „gute Freund“ der in alter „Tritt mich“-Manier seinem Kumpel auf einer AntiFa-Demo einen Hakenkreuzaufkleber auf den Rücken packt. Alles schon mal vorgekommen. Etwas leidig erscheinen da die eher traurigen Versuche der Medien die Zuschauer/-Hörer zum Narren zu halten. Nach dem 1000. Mal „Ufos in Altona“ oder „Arbeitslosenzahlen sind gesunken“ fällt selbst der blödeste Bildleser nicht mehr drauf rein.

Ja, es ist nicht einfach heutzutage noch jemanden aufs Glatteis zu führen. Schon deshalb gehen viele dazu über einfach schon ein paar Tage vorher ihre Scherze zu treiben. So fand ich mich dieses Jahr am 31. März verwundert vor meinem Auto kriechend wieder, an dem laut einer Bekannten zwei Reifen platt waren. Als ich etwas irritiert zurück ging und mit einem „April, April! HarHarHar!!!“ empfangen wurde, wusste ich, was meine Mission für dieses Jahr war: Nix damit zu tun haben! Nun, andererseits geht doch nix über die Genugtuung jemanden so richtig schön verarscht zu haben. Warum sonst treibt es so viele Menschen momentan zu einer Ausbildung bei unseren Freunden und Helfern? Bestimmt nicht weil die neuen Uniformen jetzt so schick sind. Ich denke mal dass das Treiben von bösen Scherzen diverse Urinstinkte der Menschen wieder wachrüttelt. Es ist eine Art Ausüben von Macht auf andere Menschen unter zur Hilfenahme von Urängste-schürenden Fehlinformationen. Naja, vielleicht trifft das mit dem Rad-Beispiel so nicht ganz ins Schwarze. Da passt dann das altmodische „Hinter-einer-Ecke-Lauern-und-plötzlich-Buh-rufend-rausspringen“ doch ein wenig besser. Wenn aber im Nachhinein der Notarzt wegen ab und zu vorkommenden,  vorschnellen Notwehr-Reaktionen gerufen werden muss, finde ich hört der Spaß doch langsam auf. Da lacht selbst der Betrachter nicht mehr. In Anbetracht der Überbevölkerung der Erde könnt man andererseits auch per internationalem Gesetz jeden dazu verpflichten seinen Freund und Nachbarn aufs übelste hinters Licht zu führen bzw. zu Tode zu erschrecken (im wahrsten Sinne des Wortes). Doch könnte selbst das nur eine von vielen möglichen Lösungen unserer Erdenprobleme sein. Scherze welche wirklich was bewegen, wie z.B. eine gefälschte Bombendrohung an div. Börsen, enden meist überhaupt nicht mehr lustig im Knast. Ein kleinlautes „April April“ wird einen dann wohl auch nicht mehr retten können. Und wie wirkt denn dass, wenn dich die Leute im Kittchen fragen warum du sitzt und deine ehrliche Antwort lauten müsste: „Nun, ich wollte die Welt in den April schicken.“ Neben blutrünstigen Killern, Vergewaltigern und Zeitungsausträgern (deren einziges Ziel der Altpapiercontainer war) wirkt man da doch wie ein kleiner Fisch. Nee nee, so was sollte man doch lieber tunlichst vermeiden und lieber mal versuchen die Weltmächte im Kleinen zu stürzen. Bild-Mitarbeiten könnten die Situation z.B. nutzen und als Schlagzeile auf der ersten Seite „USA erklärt Lichtenstein den Krieg“ oder „Gerhard Schröder hat gefärbte Haare!“ nehmen, die nun folgende Verwirrung ausnutzen und mit dem Angesparten der Frau das nächste Flugzeug Richtung Cuba (mit Zwischenstopp auf Helgoland) besteigen und dort zu selbstlosen Schutz von Riesenschildkröten aufrufen. Andererseits könnte er es auch einfach lassen.

Kommentare | Kategorie: Artikel, Kolumnen

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