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Beer Edge

Anfang der 80er Jahre fand Straight Edge in den USA immer mehr Anhänger. Auch mehr und mehr Bands sprangen auf diesen rasenden Mode-Express. Als dann Bands wie Minor Threat und 7 Seconds nach und nach in den amerikanischen Verkaufscharts die Top10 erreichten und atheistische Kloster immer mehr Kinder und Jugendliche in ihre Klauen bekamen, wurde einigen Menschen langsam bewusst, dass diese so genannte „Subkultur“ völlig aus dem Ruder gelaufen war. Unter Ian MacKaye, dem Sänger von Minor Threat entstand eine fast schon kriminelle Organisation die das Dogma des Straight Edge erbarmungslos und teils mit roher Gewalt durch zu setzen versuchte. Regierungen und Großkonzerne wurden unterlaufen und deren Leitungen nach und nach von Marionetten MacKayes ersetzt. Neue Gesetze wurden aus dem Boden gestampft, die berüchtigtsten unter ihnen das das Bierverbot vor Vier und die Illegalisierung von körperlicher Nähe.

Die Band Bully Pumpkin traf 1986 es mit ihrem Song „Beer Edge“ auf den Punkt:

 I’m not allowed to drink cause of you,
But I know exactly what to do
Fillin Beer right through my head
Drinkin’ till all of you’re dead


Zunächst löste es keine großartige Reaktion aus und die Band geriet schon einige Tage später wieder völlig in Vergessenheit. Bis 1989 hatten die Straight Edger die Kontrolle über einen Großteil der Musikindustrie übernommen. Die Radiosender spielten ausschließlich Bands die dem Dogma zugeschworen waren, viele andersdenkenden Künstler trieb es ins Exil oder in den Selbstmord. Die Welle breitete sich zunächst über den Amerikanischen Kontinent, dann auch über Europa und Asien aus. In England wurde die Ausschenksperre aufgelöst, jedoch Alkohol völlig verboten. Erste Demonstration unzufriedener Kneipengänger mit teils verheerenden Straßenschlachten wurden ebenso niedergeknüppelt wie FKK Treffen.

Beer Edge - True till der Kasten leer ist
Beer Edge

Straight Edge war 1995 am Zenit seiner Macht angelangt. Aber es bröckelte bereits. Aus dem Untergrund tauchten mehr und mehr CD-Rs auf mit verloren geglaubten Demo-Aufnahmen von Bully Pumpkin, aber auch neueren Bands wie den Youth of Tonight, Spaniens Yo bebo cerveza oder der deutschen Band Beernot. Eine neue Gegenkultur war kurz vor dem Aufbruch.

1997 konnten die Machthaber dieses nicht mehr länger ignorieren und gaben völlig unerwartet auf. Alle geschichtlichen Hinweise über die vergangenen 10 Jahre wurden vernichtet und der Straight Edge verschwand wieder im Untergrund. In einem Interview verhaspelte sich Ian MacKaye aber in einem seiner legendären Wutanfälle und schrie den Reporter an er solle sich „…für die Zukunft aber noch mal ganz warm anziehen, Bürschchen“. War es doch noch nicht das Ende?

Bis 2002 blieb jedoch alles Ruhig, was der Beer Edge Szene Zeit gab sich auszubreiten. Gleichzeitig stieg aber auch die Anzahl der Todesfällen, die mit Alkohol (am Steuer) zusammen hing. Teilweise fielen diesen Unfällen sogar komplette Bands auf Tourneen zum Opfer. Die Bekanntesten unter ihnen waren sicherlich Youth of Tonight, Spaniens Yo bebo cerveza oder der deutschen Band Beernot. Ein weiterer berühmter Fall war Piggi Pumpkin, dem ehemaligen Gitaristen von Bulli Pumpkin, der nach übermäßigen Alkoholkonsum, über sein Meerschwein stolperte, dabei aus dem Fenster seines New Yorker Appartement (siebter Stock) fiel und auf den dort zufällig vorbei gehenden Ian MacKaye fiel. Beide waren sofort tot. Ironie des Schicksals. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt und Jessica Alba gewann 2009 einen Oskar für Ihre Rolle als Ian MacKaye.

Nach dem Tod ihres Anführers (oder wie die Straight Edger es nennen: „Häuptling“), bröckelte die Szene an allen Ecken. Immer mehr Splittergruppen bildeten sich, die eine nach der anderen schließlich völlig verschwanden.

Auch die wenigen Überlebenden der Beer Edger schienen mit dem Wegfall ihrer größten Feinde alle Ambitionen verloren  zu haben. Heute gibt es nur noch wenige Bands, die sich mit Beer Edge solidarisieren und überhaupt nur noch eine, die es in seiner Ursprünglichen Form aufrecht erhält. Diese Band heißt Die Bier-Tenöre.

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