Cleansweep Interview

Wie es der Zufall wollte lud mich die liebe Rebecca am 15.07.2008 zum Real McKenzies Gig im Kiez-Konz-Schuppen Nummero Eins Molotow ein. Da das ein Dienstag war hatte ich schon so meine Bedenken, ob sich diese Aktion als gute Idee herausstellen würde, vor allem, weil ja am nächsten Morgen, pünktlich um 8 Uhr, die Maloche wartete. Andererseits hatte ich am Wochenende zuvor nach Jahrelanger Abstinenz in Sachen Fanzine, endlich wieder Blut geleckt und war ganz heiß drauf mein verstaubtes Diktiergerät endlich aus der Umzugskiste zu kramen. So ein Konzi, und die dazugehörigen Bands, kamen mir da grade recht. Die Real McKenzies sind für mich interview-technisch ziemlich uninteressant. Das liegt vor allem 1. daran, dass mein Englisch momentan noch ziemliche Grütze ist (zumindest was das sprechen angeht) und 2. das ich so wie so viel lieber was von (unbekannteren) lokalen Band schreiben/wissen will. Also vor dem Gig noch mal das Internet gewälzt und mich ein bisschen in die Cleansweep-Materie eingelesen. Viel fand ich da allerdings auch nicht. Macht aber nix. Dafür sind ja Interviews schließlich da, nicht war? Man muss sich auch mal überraschen lassen! Mit ca. einer Stunde Verspätung kam ich dann auch im Molotow an. Nun. Zumindest hatte ich noch die letzten 3 Songs von Cleansweep mitbekommen (das nächste Mal wartet ihr bitte, bis alle da sind, ja?) und das ist ja auch schon mal was.

Akrox: Cleansweb…

Alle: Cleansweep!

Frank: Nein, nicht Cleansweb sondern Cleansweep, so wie sweet.

TooLate: World Wide Weep so zu sagen.

Akrox: Das ham wir dann auch gleich mal festgestellt, darauf erstmal Prost!

Alle: Prost!

Akrox: Ja, Standart-Fragen zuerst: Stellt euch doch mal vor. Wer seid Ihr? Wie lange macht ihr schon Musik? Ich hab auf eurer Website gesehen, das es 98’ hieß, das erste Konzert war aber 1991…

TooLate: Nee. Die Ursprünge gehen etwa auf 1992 zurück. Mit wechselner Besetzung. Ne Zeit lang gab’s uns mal nicht. Die Formation wie sie heute steht ist seit drei Monaten zusammen. Mit dem einen Gitaristen, der mit der bunten Gitarre, der jetzt grade nicht da ist, weil wir nicht wissen wo er steckt. Der Rest ist seit… Du bist seit nem Jahr dabei?

Frank: Anderthalb.

TooLate: Anderthalb. Zunächst aushilfsweise aber dann ganz.

Akrox: Und ihr hattet euch zwischenzeitlich aufgelöst?

TooLate: Na sagen wir mal, wir haben als Projekt so vor uns hergedümpelt. Da mal ein bisschen was, hier mal ein bisschen was. Ein paar Konzerte unter nem anderen Namen gespielt, ich weiß das auch alles nicht mehr so genau. 1998 ham wir uns dann, nachdem die erste Demo-CD fertig war, in Cleansweep umbenannt, weil der Name den wir davor hatten schon weg war. Ursprünglich hießen wir Guinea Pigs. Es gab noch ne andere Band aus Aachen die sich auch Cleansweep genannt haben. Aber mittlerweile scheissen wir drauf. Wir heißen Cleansweep, wir bleiben Cleansweep.

Akrox: Da gab es ja auch ne Verwechslung beim letzten Sampler wo ihr dabei wart.

TooLate: Ja, das lag aber nicht an uns. Das lag also echt an „Dog on Sail“… Die haben’s ja nicht mal hinbekommen auf dem Sampler ihren Namen richtig zu schreiben!

Akrox: Was ich auch auf eurer Site gesehen habe: Da gab es ja diesen Vorfall beim  Anna&Arthur in Lüneburg. Was war denn da passiert?

TooLate: Achso, die Geschichte. Ja, wir wollten da eigentlich spielen, aber als wir dort ankamen, war alles voller Bullen. Und die haben uns dann darauf hingewiesen, dass wir doch bitte gehen sollten. Platzverweis.

Frank: „Was wollen Sie hier? Wieso wollen Sie da rein??“ – „Man, wir sind ne Band, wir ham da ein Booking. Wir wollen da spielen.“ – „Ja kommen Sie mal mit. Ihre Personalien…“ – „Wir sind ne Band. Können wir uns nicht erstmal beim Veranstalter melden? Ich mein, wir müssen Konventional-Strafe zahlen, wenn wir nicht auftreten.“

TooLate: Interessiert die alles nicht.

Frank: Naja, aber so aggressiv wie du aussiehst… Da kann das ja auch schnell eskalieren.

TooLate: Ja, das stimmt. Naja. Dann haben sie unsere Personalien abgenommen und uns einen Platzverweis erteilt. Wir hatten ne viertel Stunde um aus Lüneburg  ab zu hauen.

Frank: Das ist ja auch nicht so schwer. Lüneburg ist ja auch nicht so groß.

TooLate: Also mit meinem Navi ist das gar nicht mal so einfach. Aber wir haben uns dann gesagt: Das lassen wir nicht mit uns machen. Das ist Verarschung bis zum geht nicht mehr. Wir haben dann sechs Wochen später im Anna&Arthur gespielt und das mit dem Orga-Team da noch mal abgequatscht. Die dürfen offiziell keine Gagen zahlen und dürfen auch keine Verträge mit Konventionalstrafe machen, ansonsten hätten wir die Stadt Lüneburg auf Anfahrtskosten, Gageausfall und Konventionalstrafe verklagt und das Anna&Arthur hätte dann auch seine Konventionalstrafe bekommen. Wir hatten ne Anwältin, die meinte sie macht die Sache Just-for-fun. Hat ein Schreiben aufgesetzt in dem sie offiziell dagegen protestiert hat. Die Stadt Lüneburg hat natürlich „wegen Gefahrenabwehr“ geschrieben… Also wir sind unheimlich stolz drauf, dass die Stadt Lüneburg uns als „Staatsfeinde“ akzeptiert. Das ist ja ne unglaubliche Ehrung! Damit hätten wir gar nicht gerechnet. Letztendlich haben wir dann die Sache einschlafen lassen, weil die Anwältin auch meinte sie kann das nicht ewig umsonst machen und das es vielleicht richtig teuer werden könnte. Die Chancen stehen auf „Schlecht“.

Einen Staat verklagen… Das kann man machen, wenn man korrupter  Politiker ist.

Akrox: Obwohl das auch schon öfters geklappt hat. Muss man halt sehen, ob es das Risiko wert ist.

TooLate: Ja. Um fünfzig Euro Spritkosten rauszuholen, später 1000 Euro Kosten zu riskieren. Das ist die Sache nicht wert. So toll verdient man als Punkrocker nicht.

Frank: Also. Ich kann davon leben!

Bonzo: Haha! Ja, aber wie?!

TooLate: Schläfst du heute Nacht wieder bei mir im Auto oder bei Bonzo im Auto?

Akrox: Wir können ja hier noch mal eben die Namen festhalten. Das ist später immer ein bisschen schwierig.

Frank: Ja. Also: Frank. Gitarre.

Bonzo: Bonzo. Schlagzeug

TooLate: Lt. Kpt. Too Late. Gitarre und Gebrüll.

Frank: Dann haben wir noch Fips Shark Asmussen… nee.

Bonzo: Fips.

Frank: Fips reicht. Der spielt Bass. Und Horst Klaus Günther…

TooLate: Nikita. Er heißt Nikita.

Frank: Den Namen akzeptier ich aber nicht!

Bonzo: Naja, der spielt Gitarre.

Frank: Eigentlich treten wir auch als Iron Maiden auf, mit drei Gitarren, aber heute sind wir halt…

Bonzo: Das Biest hat halt ständig keine Zeit…

TooLate: Aber wenn ich jemals lerne Gitarre zu spielen, dann können wir mit zwei Gitarren spielen.

Frank: Dann steig ich aus! Dann werd ich gefeuert…

Akrox: Und wie lange macht ihr jetzt schon Musik?

Frank: Ich seit zwanzig Jahren, glaub ich. Hab aber vorher schon in tausend anderen Bands gespielt.

TooLate: Ja, ich auch seit zwanzig Jahren.

Frank: Ich spiel aber auch jetzt noch in ner anderen Band.

Akrox: Wie heißt die Band?

Frank: Eight Ball. Da machen wir gute Musik. Äh… ich meine „ernsthafte“ Musik. So Rockabilly, Elvis… Da trommle ich aber.

Akrox: Kommt ihr alle aus Hamburg?

TooLate: Ja, mehr oder minder ja. Ursprünglich waren wir mal „Hamburg-Elmshorn“ aber mittlerweile wohnen alle in Hamburg.

Akrox: Wie kommt ihr dann an solche Auftritte wie in Salzhausen?

TooLate: Also, die haben uns mal angesprochen ob wir nicht da spielen wollen. Da haben wir dann im Keller gespielt. Dort haben die uns auch gleich gefragt, ob wir nicht Bock haben bei denen auf nem OpenAir zu spielen. Da haben wir gesagt: Jaa! und sollten dann da den Headliner machen, aber wir hatten dann am selben Tag noch ein Konzert und darum ging das nicht. Was mich ärgert ist, dass wir dann die Daily Terroristen nicht gesehen haben.

Akrox: Haben die da gespielt? In Salzhausen? Ha! Das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben…

Frank: Salzhausen war mal lustig.

Bonzo: Das erste Mal haben wir gedacht: Oh Gott! Diesen Tag vergessen wir mal ganz schnell! Wenn uns Morgen einer fragt wie der Gig war, dann haben wir alles vergessen! Im Keller. Zwei sone kleine Combos. Wir dachten echt: Och nee, so echt nicht.

Frank: Und Alkoholfreies Bier.

Bonzo: Und nicht rauchen und all sone Scheisse. Aber es war so geil!

Frank: Ja die Kiddies sind da derbe abgegangen. War geil. Am Anfang dachte ich noch wir wären hier falsch. Zwischen uns kamen so zwanzig Jahre. Und dann das Alkoholfreie Flensburger. Ich dachte: Oh Scheisse! Wir können hier nicht spielen. Wir sind ne Punkrockband! Mit Alkoholfrei und nicht rauchen – Das geht gar nicht! Im Endeffekt war es aber doch geil. Hat echt Spaß gemacht. Auf dem Festival war es dann leider nicht mehr so toll. Nicht sehr voll und das Wetter war auch so gemischt.

Bonzo: Aber Salzhausen ist ja nun auch nicht unbedingt der Wallfahrtsort für Festivalgänger.

Frank: Ja, das kommt man ja auch nicht so einfach hin.

Bonzo: Na gut, aber Wacken hat auch mal mit zwei- bis dreihundert Leuten angefangen.

Akrox: Ja, früher hatten die da im Dorf nebenan im Kornfeld so ein Labyrinth aufgebaut. Das war das Highlight des Jahres.

Frank: Kornkreise!

Akrox: Was war denn euer bester Auftritt bis her?

Bonzo: Wir waren immer gut! Alle!

Frank: Mit Peter Ehrlich inner Freiheit. Hähä. 98 war das glaub ich. Das war aber mit ner anderen Band.

Bonzo: Letzten Samstag war schon sehr geil. In Ahrensburg.

TooLate (zu Frank): Als du noch bei Razzia warst, das Ding da in Uetersen, das fand ich auch sehr gut.

Frank: Ja das war auch geil.

TooLate: Da war Frank noch nicht bei uns. Und da haben wir halt zusammen unser Date gemacht. Uetersen war eigentlich immer unser „Hometown“. Konnte man gar nicht fassen, was da abgegangen ist.

Akrox: Ja, Razzia sacht mir auch was.

Bonzo: Alte Hamburger Band

Frank: Ja, die waren schon recht „Groß“. Da hab ich fünf Jahre gespielt, glaub ich. Aber mit uns jetzt bester Auftritt?

TooLate: Da waren schon alle irgendwie geil.

Frank: Ich glaub, der geilste Auftritt war eigentlich da hinter Lüneburg. Wie heißt den das? Da wo die Ausschreitungen waren.

Akrox: Neu Tramm?

Frank: Ja genau. Neu Tramm. Da war grade so ein Naziaufmarsch in Dannenberg.

Akrox: Ok. Und was war euer schlechtester Auftritt?

TooLate: Ohh! Tja… Eigentlich alle (lacht).

Bonzo: In der Cantina in Hörnerkirchen war schon sehr übel… Das ist da wo das Headbangers OpenAir immer stattfindet.

TooLate: Unser alter Gitarrist hatte seinen Amp derartig brachial weit aufgerissen, dass ich nicht mal mehr das Schlagzeug gehört hab. Und der war auch nicht leiser zu kriegen. Als Sänger hast du da immer schlechte Karten. Da kannst dich nur umdrehen und „Fuchtel, Fuchtel!!“

Akrox: Und sonst so?

TooLate: Tja, was sollen wir sonst noch erzählen? Wir nehmen demnächst natürlich unser 48-CD-Live-Album auf.

Frank: Ins Studio wollen wir auf jeden Fall bald mal.

Akrox: Habt ihr schon CDs draußen?

TooLate: Wir haben eine Demo-CD von 98. Das sind vier oder fünf Songs und zwei davon Live im Proberaum. Eigentlich war das ein Tape. Aber als wir die Tapes verkaufen wollten kamen die Kiddies an und meinten: „Ähhh…! Da muss ich ja mein’ Kassettenrecorder wieder aus’m Keller hol’n…“ Und deswegen gibt’s die auch auf CD.

Akrox: Und habt ihr schon nen Namen für das (neue) gute Stück?

TooLate: Hm… Nur so’n Arbeitstitel…

Bonzo: Eigentlich sollte sie „A“ heißen. „A“ wie „A“.

TooLate: Oder „Soundtrack zum Bürgerkrieg“ oder so.

Frank: Nee, erstmal abwarten. Wir müssen sie ja erstmal einspielen.

Bonzo: „A“ wie „Abwarten“!

Akrox: Euer Gitarrist ist neu?

TooLate: Nikita, ja. Ich bin ja dafür dass wir noch zwei Gitarristen holen. Dann haben wir fünf. Das wäre schon geil.

Frank: Und noch nen Schlagzeuger und nen Bassisten. So das wir immer spielen können, auch wenn mal einer keine Zeit hat. Oder es gibt ne Auswechselbank an der Seite.

TooLate: Hey, die Idee ist eigentlich auch nicht schlecht!

Akrox: Da kann man dann auch mal gut und gerne seine Fünf-Stunden-Gigs machen!

Frank: „So, raus! Schlecht gespielt!“ (lacht)

Akrox: Ok. Drinnen sind die Real McKenzies schon langsam dabei. Deswegen noch mal die  abschließende Frage: Was würdet ihr bei einem Interview gerne mal gefragt werden?

Bonzo: In welchem sexuellen Verhältnis der Gitarrist mit dem Bassisten steht.

TooLate: „Brauchst du n’ bisschen Geld?“ (lacht)

Frank: „Hast du schon mal als Model gearbeitet?“ würde ich gerne mal gefragt werden.

Akrox: Hast du schon mal als Model gearbeitet?

Frank: Nein, ich bin zu hässlich! (lacht)

TooLate: Hat er doch! Damals, für die Abtreibungswerbung!

Akrox: Und jetzt noch die allerletzte Frage: Was inspiriert euch so sehr, dass ihr seit zwanzig Jahren Musik macht?

Frank: Live spielen. Übungsraum find ich nicht so prickelnd. Ich will einfach nur Live spielen, wenn es geht jeden Tag drei Mal. Da hab ich Bock drauf.

Akrox: Wie ist das bei dir?

TooLate: Ach, ich weiß nicht so recht. Ich gebe mir ziemlich viel Mühe mit meinen Texten und versuch dabei eben auch politische Inhalte rüber zu bringen. Wenn da bei den Leuten ein bisschen was hängen bleibt, dann ist das schon ne ganze Menge. Das ist für mich dann die Inspiration dabei. Ich bin halt nicht nur der Musiker. Peng, fertig aus!

Bonzo: Er ist halt der Schreiber und Dichter und der „Pöt“.

TooLate: Der „Pöt“, ja.

Frank: Warum machst du eigentlich Musik?

Bonzo: Ja, ich weiß es auch nicht…

TooLate: Er hätte sonst in den Knast gemusst, du kannst das ruhig sagen!

Bonzo: Ja, bei der Erziehungsmaßnahme habt ihr mich unter der Bedingung dass ich bei euch trommle dann freigeholt…

Akrox: Und was inspiriert dich so, dass du damit weitergemacht hast nachdem dein Sozialprogramm abgeschlossen hattest?

Frank: Das ist noch nicht abgeschlossen! (lacht) Nein, das Ding ist, das du so oft wie möglich raus kommst aus dem Proberaum und Live spielen kannst. Wenn dann noch was vom Publikum rüber kommt dann ist das natürlich noch besser.

Bonzo: Wenn man davon leben könnte, wäre natürlich noch geiler. Dann wären wir sogar besser als Real McKenzies!

Frank: Was würdest du denn gerne mal gefragt werden, als Interviewer?

Akrox: Öh…

Frank: Vielleicht: „Wie alt bist du eigentlich?“

Akrox: Ah, 26.

TooLate: Dann bist du ja älter als wir!

Akrox: Ja, ich sitze ich auch gegenüber von drei perfekt durchtrainierten, jugendlichen…

TooLate: Durchtrainierte Verdauungsmuskeln.

Akrox: Ähm.. Ok. Ich glaube das ist ein gutes Schlusswort.

TooLate: Ja.

Akrox: Tschüs!

Kommentare | Kategorie: Artikel, Interviews

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