Springe zum Inhalt →

Force Attack 2004

So, nu wo ich das hier schreibe ist es schon Dienstach und der Meinung, dass ich mich lange genug von diesem Wochenende erholt hab. So ein Festival ist doch immer wieder was Feines.

Man hört/sieht gute Bands, trinkt Bier bis zum geht nicht mehr (oder was auch immer) und freut sich danach immer wie ein kleines Baby auf die kleinen Sachen im Leben, wie z.B. eine einigermaßen saubere Raststätten-Toilette (incl. Klopapier!). Auch scheint es immer wieder so zu sein, dass spätestens am letzten Abend die Kippen alle sind (warum auch immer). Nichtraucher werden es wohl nicht verstehen, aber es geht doch nix über einen Glimmstängel, während man Schlammverkrustet, wie eine Schildkröte auf dem Rücken, in einer Pfütze liegend sich der Sucht ganz und gar hingibt. Nun, mal abgesehen von dem  o.g. ,(nach drei Tagen) längst überfälligen Toilettengang. Aber eigentlich ists doch ganz schön sich selbst mal für ein langes Wochenende zum Steinzeitmenschen zurück zu verwandeln. Rülps. Aber wir wollen ja nicht ausschweifend werden.

Da Nilz und Rob (die ollen Umzugs-Klappkartons, die!) wegen ihres Wohnortwechsels ins idyllische St. Pauli  wohl doch ein wenig überfordert waren, musste ich mich eben alleine auf die Socken machen. Ausgerüstet mit genügend Sprit im Tank, einem halben Päckchen Zigaretten und meiner Sonnenbrille (und anderen Dingen, welche hier aber nicht genannt seien) machte ich mich also auf, dem Punkrock zu huldigen und fuhr wie der Wind  ca. 20 km bis zum ersten Stau. Nun, wenigstens war es nicht ganz so warm, höchstens 45° C im Auto und mal ordentlich schwitzen soll ja auch gesund sein, hab ich mir mal sagen lassen. Drum verbrachte ich die näxten 16 km bzw. 1 ½ Stunden im ruhigen brems-fahr-brems-fahr-Vergnügen. Danach gings dann fix weiter (Durchschnittsgeschwindigkeit: 71,32 km/h) über Stock und über Stein und über Schwerin, was dann wohl doch ein Fehler war. Die haben nämlich die Autobahn noch gar nicht fertig und die Verbindungsstraße war wegen irgendwelche dümmlichen Gründen (denke ich mal) auch gesperrt. Naja, hab ich wenigstens 80 % der Dörfer zwischen Schwerin und Rostock gesehen. Is ja auch mal was.

Nach ca. 4 bis 5 Stunden war ich dann endlich da, wobei ich, schlau wie ich bin, die grünen Schergen und ihre Kontrolle austrickste, in dem ich mich als Punker tarnte und so ungesehen ihre Provokations-Blockade durchbrach. Die Trottel. Am Eingang dann kam aber doch noch ein kleiner Schock. Der ganze Spaß ist ja doch ganz schön teuer. Insgesamt 45 Euronen für EinTritt und diverse Zusatz-Scheisse haben sie mir dort abgeknöpft. Und so was nennt sich Punkfestival. Frechheit. Nun, 5 Euro gabs am Ende dann für ne gefüllte Mülltüte zurück, hat mir aber auch nicht mehr soviel gebracht.

Egal. Wenigstens war ich nun da und nen guten Zeltplatz fand ich dann auch schnell (obwohl sich später herausstellte, dass einige der „Festivalhunde“ -O-Ton von Paul, falls den wer kennt- eben diesen Platz wohl auch sehr anziehend fanden). Kurz darauf machte ich mich, ausgerüstet mit nem lauwarmen Bierchen, auf den Weg mal die Lage zu erkunden. Auf dem Festivalgelände traf ich dann auch bald Hacke, seines Zeichens Merchguy von Rawside, welchen wir damals in Waldkirchen kennen gelernt hatten und der dort seinen Laden aufgebaut hatte und 50 m weiter den Stand, welchem ich am Wochenende zuvor noch einige Akroxe verkauft hatte. Weil wir es natürlich immer noch nicht geschafft hatten den Junx von Rawside die Fotos zu schicken und in dem Heft wenigstens ein paar davon drin waren, kaufte ich dem Kerl mein eigenes Fanzine wieder ab und übergab es stolz dem hoch erfreuten Hacke. Jap, jeden Tag eine gute Tat.

Noch einige Zeit später traf ich dann auch auf ein paar bekannte Lüneburger und war damit auch nicht mehr ganz alleine auf weiter Flur. Mit denen gings dann auch zu den ersten Konzis.

Ich muss dazu sagen, dass ich durch meinen etwas erhöhten Bierkonsum die Bands nicht mehr ganz den Tagen zuordnen kann. Jeder der da war wird wohl Verständnis dafür zeigen können. Ist ja eigentlich auch uninteressant wann welche Band ihren großen Auftritt hatte. Außerdem wird wohl die näxte Zeit in 90% der hiesigen Zines etwas zum Force Attack zu lesen sein, dass ich mal nur über einige Bands was schreibe, welche mir besonders aufgefallen sind. Das waren zunäxt mal Rawside.

Es war eh schon klar was bei den ersten Akkorden dieser Band passieren sollte. Doch richtig vorbereitet war ich dann doch nicht. Normalerweise bin ich ja immer mit dabei wenns ums Pogen geht, aber nachdem ich gleich beim ersten Song schon ne blaue Nase hatte, hielt ich mich dann doch lieber zusammengequetscht in den vorderen Reihen auf. Der abgebrochene Zahn vom letzten Mal war schließlich nicht ganz meiner Erinnerung entschwunden. Die Menge tobte also und Rawside machten ihrem guten Ruf alle Ehre. Teilweise unterstützt von einer Video Leinwand hauten sie ordentlich Hardcore auf die Pauken. Die Pauken allerdings wurden von einem Aushilfsdrummer einer anderen Band (welche mir leider entfiel) gekloppt. Aber er hat seine Sache ganz gut gemacht. Außer dem Schlagzeuger war auch der zweite Gitarrist nicht mit von der Partie. Alles in Allem gings aber ab wie Scheiße (wenn man das so sagen darf…).

Als zweite besonders erwähnenswerte Band des Abends spielten die sagenumwobenen Rubberslime auf. Ich muss schon sagen dass ich mich seit längerem auf diesen Auftritt freute, waren Slime doch eine der Bands, welche mir (und vielen anderen wohl auch) die Jugend versüßten. Doch im Nachhinein muss ich gestehen,  dass ich doch ziemlich enttäuscht war, als ich mich nach ca. ¾ der Show aufmachte, mir irgendwo weit weg (mein Zelt) ein neues Bierchen zu besorgen. Mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. A.C.A.B., welches gleich als Opener für Stimmung sorgte), waren die Junx in meiner Erinnerung doch um einiges fixer am Werk. Das was sie da jetzt so von sich gaben, könnte ein besonderer Frechdax schon als Deutschrock bezeichnen. Mir wars leider etwas zu (wie soll ich`s sagen…) langweilig. Manche Leichen sollte man vielleicht in ihrer Gruft lassen.  Schließlich wird man nicht jünger und die Slime-Leute eben auch nicht.

Irgendwann hörten die Bands dann auch auf zu spielen und man zog sich zu den Lagerfeuern zu einigen gemütlichen Bierchen zurück. Da mich die anstrengende fahrt in der Affenhitze doch ein wenig geschlaucht hatte begab ich mich schließlich so gegen 5 zur Ruh in mein Zelt.

Ca. 4 Stunden später wurde ich von unerbittlichen Schweißausbrüchen unsanft meinem Schönheitsschlaf entrissen. Für einen faulen Sack und Langschläfer wie mich ist die Sonne doch schon ein sehr unerbittlicher Feind. Trotzdem verbrachte mehr Schlecht als Recht den halben Tach im Halbschlaf, was dann durch einen freundlichen Regenschauer noch unterstützt wurde. Einzig dumm daran war, dass ich die Riot of Rats völlig verpennte. Da könnte ich mir immer noch für in den Allerwertesten beißen.

Apropos! Diesen Abend waren die mächtigen Kassierer dran uns mit ihrem Intellektuellen-Punk zu unterhalten. Die selbsternannte „katholische Band“  war einer meiner persönlichen Höhepunkte des Festivals. Zugegeben wird es manch einem nicht leicht fallen, ihrem etwas ausgefallenem Humor etwas abzugewinnen, aber wer einen guten Magen und eventuell in die Menge fliegende Gummihandschuhe (welche wenige Sekunden zuvor noch im Arsch des Gitarristen steckten) nicht fürchtet, dem offenbart sich ein hoch erotisierendes Schauspiel der besonderen Art. Und derer gibt es wohl eine Menge. Die meisten der rund 11.000 Besucher (Hab ich zumindest gehört) hatten sich zu diesem Spektakel versammelt. Um es jedoch kurz zu fassen, möchte ich des weitern nur noch die so genannte Schlauchkatze erwähnen (welcher der Herrscher aller Welten ist, auch die von letzte Woche). Ja, die hat mich schon sehr beeindruckt.

Ansonsten ging das Festival ordentlich weiter. Sonntag waren dann zumeist Skabands am Werk von denen ich mir die eine oder andere zu Gemühte führte, nachdem ich mein traditionelles Zeltrumgehänge hinter mir hatte. Erwähnenswert wäre hier noch, dass die Mimmis, welche (so weit ich weiß) die fehlenden RastaKnast (hätte ich auch gerne mal gesehen) vertraten, die Bühne mit ordentlich Verwünschungen und Drohungen verließen. Grund dafür war irgendein asozialer Idiot, welcher dem Schlagzeuger der Band ne Glassflasche an den Kopf warf. Die Band die danach auftrat musste ihren Gig wegen ebensolchen Idioten auch fast abbrechen, spielten aber dann doch noch zu Ende.

Joah, Montag war es dann auch für mich Zeit zurück zu fahren. Nachdem ich bei der Bullerei-Kontrolle dieses Mal leider nicht so leicht durch kam, besorgte ich mir bei örtlichen Penny, welcher völlig verwüstet war, noch ne Packung Kippen und machte mich auf den merkwürdig kurzen Rückweg.

Ähnliche Artikel

Veröffentlicht in Artikel Konzerte