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Gotchi trifft Gotchi-Gott

Die Leidensgeschichte eines kleinen grünen Wesens, welches das Pech hatte auf den bösen El Micha zu stoßen und so einen qualvollen Tod erleiden musste
Es gibt wenige Dinge die mich so nerven, wo ich wirklich ausraste, Gift und Galle kotze und mir die Haare ausreiße. Klar. Arroganz und Klug-scheißerei ärgern mich, Faschos und Rassisten finde ich absolut Scheiße und was das all morgendliche Aufstehen betrifft. Nunja. Aber wenn, ja wenn mein PC im Arsch ist, dann geh ich hoch! Da wackeln die Wände, da fliegen diverse Disketten und undefinierte Teile durch die Gegend, da seh ich Schwarz. Was soll ich sagen? Es ist mal wieder so weit:

Datenträger wurde nicht gefunden. Neustart mit Strg, Alt + Entf  – Argh!!

Da ich aber ein Mensch bin, der solcherlei unüberwindlichen Probleme schließlich fürs erste ignoriert (Schon aus Selbst- und Wohnungsinventarschutz), hab ich mir fix meinen alten Compi wieder fit gemacht (das Museumsmodell 486er). So ein alter PC hat natürlich auch seinen Reiz. Man wird richtig nostalgisch, wenn man mal wieder mit DOS oder Windows95 arbeitet. Diesen Text hier z.B. schreibe ich auch dem guten alten WordPad (ich glaub, dass gibts heute gar nicht mehr). Außerdem hat es einen entscheidenden Vorteil:

Die alten Programme und Spiele funktionieren wieder. Dank XP konnte man ja die meisten älteren Sachen entweder auf den Müll oder auf dem Flohmarkt entsorgen.

Bevor die Langeweile auf dem Rechner aber Einzug halten konnte, fand ich nach einigem Suchen schließlich doch noch ein Relikt aus der Zeit von Vorgestern: Eine Spieldemo-CD von 1997 (oder so) wo in einer Vollversion das wahrhaft lustige Spielchen PC-Gotchi (gähn!) drauf war. Gotchis, diese piependen Taschentierchen wird wohl jeder kennen. Sie sind eigentlich recht simpel zu bedienen: Ab und zu mal füttern, streicheln oder mit ihnen spielen und sie leben glücklich und zufrieden. Es ist schon ziemlich schwer so ein Vieh zu meucheln, auch wenn diverse Gerüchte da doch etwas anderes sagen. Und eigentlich ist es  auch ziemlich stupide dieses Spiel. Nun, da sieht man mal, was ein Fanzine-Schreiber alles auf sich nimmt um die geneigte Leserschaft aufs äußerste zu informieren und in Wissens-gebiete zu führen, welche sie nicht mal im Traum erahnt hätten. Und weil es beim Füttern auch die Option „Bier“ gibt, war eine Tierversuchsreihe unausweichlich.

Niedlich ist es ja schon, das kleine runde Vieh mit den Entenfüßen und den großen Augen. Selbst jetzt, nach zwei Tagen, kurz vor dem Verrecken und mit 18cm doch stolze 60 Kg auf die Waage bringend, rührt es einem noch die Seele. Doch im Sinne der Wissenschaft wird keine Gnade gegeben.

1000de Wesen in Gefangenschaft
Free Gotchi!

Nach knapp 18 Stunden ohne Besuch meinerseits, sind die Freudenpunkte (das mit den Punkten mag wohl merkwürdig anmuten, ist aber unab-lässigerweise mit diesem hoch-interessanten Thema verknüpft und kann daher nicht einfach weggelassen werden) mittlerweile auf Null gesunken. Krank und verschmutzt, hungrig wie nix Gutes und eigentlich kurz davor, den Gotchi-Gott zu besuchen, wird jetzt erstmal eine Runde gespielt. Gotchi kuckt nach links, Gotchi kuckt nach Rechts. Freudenpunkte steigen sofort wieder auf gute 30 (von 100), aber hungrig isser nun noch mehr. Dafür bleibt jedoch noch Zeit genug. Mit ein paar Spritzen wird zunächst noch Hoffnung gemacht, Krankheits-punkte gehen zurück aber freuen mag sich das kleine Tier dann doch nicht über die Stiche. Egal: Der entscheidende Moment ist jetzt eh gekommen.

Wir gehen in den Füttermodus und drücken drei Mal auf „Bier“. Da lacht es und freut sich des Lebens, obwohl die Krankheit nun fast ihren Höchststand erreicht. Das Gewicht ist auf 80 Kg gestiegen und nur der Hunger bleibt wie er ist. Um die Bombe aber zum platzen zu bringen, gibts noch einen kleinen Würfelzucker  und die Schlinge zieht zu. Die Haut wird Lila, ein Grabstein wächst aus dem Boden. Nach zwei Tagen trifft die Meldung „Gotchi ist an Krankheit gestorben“ doch schon recht tief. Erinnerungen an Monty Phytons „Der Sinn des Lebens“ werden wach. Als der fette Gast im Schicki-Resaurant nach dem Genuss eines letzten Pfefferminzes in tausend schleimige Stücke zerspringt. Traurig ist es schon, aber Gott sei Dank gibt es ja den Button „Noch mal anfangen“. Vielleicht klappt es ja diesmal.

Leserbriefe auf diesen Bericht bitte diesmal direkt an die Email-Info von PETA.

Veröffentlicht in Artikel Reportagen