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Gräser und Kakerlaken

Wir Menschen sind ja schon seit der Geburt, also quasi seit wir damals vom Baum stiegen, auf Selbstschutz programmiert. Das heißt zum einen, dass wir, wenn wir beispielsweise einem Säbelzahntiger begegnen, schnellstmöglich das Weite suchen. Zum anderen, was besonders auf die heutige Zeit zutrifft, verschließen wir auch gerne mal unseren Geist vor Dingen, welche uns bedrohen. In diesem Fall, einem Atomkrieg. Wenn man überlegt, was ein Atomkrieg auslösen würde (nämlich, das Aussterben des Lebens auf diesem Planeten), zieht das Vorstellungsvermögen ziemlich schnell die Notbremse. „Ein nuklearer Holocaust? Unvorstellbar!“ Täglich stirbt so manche Lebensform für immer aus. Teilweise wird dieses verschuldet durch uns Menschen. Doch kaum einen interessiert so etwas noch. Nun fragt man sich aber warum wir vor unserer größten Gefahr (also, auch uns Menschen) die Augen verschließen. Die Antwort darauf: Unsere Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber dieser Bedrohung. Der „kleine Mann“. Was kann der den schon tun? Und wenn man eh nichts dagegen tun kann, dann kann man auch einfach so weitermachen wie bisher. Arbeiten gehen und sein Leben führen. Man fühlt sich schlecht, wenn man nur daran denkt. Verdrängt man aber die Vorstellung an das „Ende allen Leben durch einen atomaren krieg“, was man zweifelsohne tun muss um sein Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen, geht’s einem, zumindest in dieser Hinsicht wieder gut. Man kann das vielleicht ganz gut an sich selber testen. Wenn du diesen Artikel gelesen hast, dann versuche einfach mal, dich über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Thema gedanklich auseinander zu setzten.

In den Medien ist ja kaum noch die Rede von Atomkriegen. Warum auch? Der kalte Krieg ist schon lange vorbei und so eine Terroristenstaats-Bombe kann wohl kaum viel Schaden anrichten, nicht wahr? Ich kann dazu nur sagen, dass dieses Thema so lange brand aktuell sein wird, bis es keinen Menschen mehr gibt. Selbst wenn man alle Personen, welche das Wissen über den Bau solcher Bomben umbringen und alle Dokumente, in denen auch nur die Rede von Atombomben oder Ähnlichen ist, verbrennen würde, gäbe es doch noch das Wissen an die Möglichkeit einer solchen Waffe und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis jemand wieder darauf käme, eine solche Bombe zu konstruieren. Was ist dann die Lösung? Vielleicht wäre ein allgemeines Umdenken zum Thema Krieg und Gewalt allgemein ein erster Schritt. Eine pazifistische Gesellschaft bräuchte keine Waffen. Nun, ich denke, so etwas ist fast genauso undenkbar wie die Ausrottung jeglichen Lebens auf der Erde. Aber wesentlich angenehmer.

Um aber mal einen Ungefähren Eindruck zu vermitteln, über was ich hier grade rede, gibt’s nun erstmal ein kleines Beispiel. Hierzu sei gesagt, dass es natürlich noch kein genaues Wissen über das wirkliche Ausmaß einer Atombombenexplosion. Es sind lediglich Vermutungen, welche zum Teil aus Atombombentests und Erlebnisberichten der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki zusammengestellt sind. Außerdem hab ich auch nicht alles genauestens wiedergegeben, wie es in dem Buch stand, aus welchem diese Informationen stammen. Wer es genauer wissen möchte sollte sich das, unter dem folgenden Text, aufgeführte Buch selber besorgen.

Zündung einer 1-Megatonnen-Atombombe (80fache Explosionskraft der Hiroshimabombe) über der Klischee-Beispielsstadt New York:
„Etwa 2500 m über dem Empire State Building zur Explosion gebracht, wird jedes Gebäude zwischen Battery Park und 125. Straße (Also:  7km; ca. 150 km²) zerstört oder eingeebnet. Zwischen der Nordspitze von Staten Island und der George Washington-Brücke ( 13km; ca. 500km²) werden noch schwere Gebäudeschäden verursacht. Normaler Sprengstoff erzeugt eine rasche Schockwelle, die alles in ihrer Reichweite wie ein Schlag trifft. Die Druckwelle einer Atomwaffe dauert einige Sekunden an und presst ganze Gebäude von allen Seiten zusammen. Menschen werden zusammen mit den Trümmern von der Druckwelle hochgerissen und fortgewirbelt. Innerhalb der ersten 150km² stürzen die Mauern, Decken und Dächer der Gebäude ein (wenn sie nicht eh schon platt gemacht wurden) und sowohl Menschen, Tiere als auch Einrichtungsgegenstände fliegen auf die Strassen. Bis zu 16 km von Punkt Null entfernt wirbelt die Druckwelle Glasscherben und andere scharfkantige Gegenstände mit todbringender Geschwindigkeit durch die Luft. In Hiroschima wurden die Menschen wegen leichten Baumaterialien oft nur geringfügig durch einstürzende Gebäude verletzt. In New York jedoch, mit seinen aus massiven Baustoffen errichteten Hochhäusern, würde der Einsturz der Stadt sicherlich Millionen Menschen das Leben kosten. Die Menschen in den Gebäuden werden, wie gesagt mit den Trümmern auf die Strassen geschleudert und die Menschen auf den Strassen werden von dieser Lawine aus Menschen und Gebäudeteilen zerschmettert. Drei Kilometer vom Punkt Null entfernt erreicht der Wind eine Geschwindigkeit von 650 Km/h, weitere drei Kilometer weiter beträgt die Geschwindigkeit noch immer 300 Stundenkilometer. Inzwischen hat sich der Feuerball ausgedehnt, bis er einen Durchmesser von mehr als anderthalb Kilometer erreicht hat, und steigt auf eine Höhe von mehr als 10 Km. Wer sich nun 15 Km vom Punkt Null entfernt aufhält stirbt normalerweise an Verbrennungen dritten Grades. Wer sich hingegen näher beim Explosionszentrum aufhält, verkohlt auf der Stelle. In Greenwich Village bis zum Central Park ist die Hitze so groß, dass Metall und Glass schmelzen. In allen fünf Stadtbezirken und westlich des Passaic River in New Jersey (Also: 15 Km; ca. 700 Km²) entzünden sich leicht brennbare Materialien wie Papier oder trockenes Laub, was den Ausbruch von Massenbränden verursacht.

Zusammengefasst könnte jemand, der ca. 3Km vom Punkt Null entfernt steht (und nicht sofort getötet wird – Was natürlich unmöglich ist) folgendes wahrnehmen: Ungefähr 30 Sekunden lang erhellt ein der Feuerball den Schauplatz mit einem blendendweißen Licht. Gleichzeitig entzündet eine sengende Hitze jeden brennbaren Gegenstand und bringt Fenster, Autos, Laternenpfähle, kurz, sämtliche Gegenstände aus Metall oder Glass zum Schmelzen. Die Menschen auf der Straße werden augenblicklich zu lebenden Fackeln, die binnen kurzem verkohlt sind. Etwa fünf Sekunden nach Erscheinen des Lichtes trifft die Druckwelle ein, die die Trümmer des nicht mehr vorhandenen Stadtzentrums mit sich führt. Einige Gebäude werden zermalmt, als hätte eine Riesenfaust sie von allen Seiten zusammengepresst, andere werden von ihren Fundamenten gerissen und mit den übrigen Trümmern  in Richtung Stadtrand gewirbelt. Jenseits des Central Parks stürzt die Skyline der Westside von Süden nach Norden um. Der Sturm rast mit einer Geschwindigkeit von 650 km/h von Süden nach Norden, legt sich einige Sekunden lang und bläst dann mit verminderter Heftigkeit in die entgegen gesetzte Richtung. Zur selben Zeit steht der Feuerball während der zehn Sekunden, die die Hitzewelle andauert, brennend am Himmel. Bald verhüllen riesige, dichte Wolken von Staub und Rauch das Geschehen, und wenn oben der Atompilz aufschießt (mit einem Durchmesser von fast 20 Kilometern), verlöscht das Sonnenlicht, und der Tag wird zur Nacht. In Minutenschnelle breiten sich in der Dunkelheit Brände aus, verursacht sowohl durch die Hitzewelle wie durch geborstenen Gasleitungen, Gastanks, Öltanks und ähnliches. Ein kräftiger Wind erhebt sich und weht in Richtung des Explosionszentrums. Wie in Hiroschima kann ein Wirbelwind aufkommen und durch die Ruinen fegen, kann radioaktiver Regen fallen, erzeugt von den meteorlogischen Ausnahmebedingungen der Explosion. Nach kurzer Zeit vereinigen dich die Einzelbrände zu einem Großfeuer, das je nach den Windverhältnissen zur Feuersbrunst oder zum Feuersturm wird. Bei einer Feuersbrunst treibt der Wind eine Feuerwand so lange vor sich her, wie sich genügend brennbares Material findet. In einem Feuersturm  saugt ein vom Feuer selbst hervorgerufener senkrechter Aufwind alle Luft aus der Umgebung zur Mitte hin an, so dass die Flammen zu einem einzigen Feuer von extremer Hitze verschmelzen. Es lässt sich schwer vorhersagen zu welcher Art von Brand es in einer bestimmten Situation kommen wird. Man weiß, dass in Hiroshima ein Feuersturm wütete und in Nagasaki eine Feuersbrunst.

Wie in Hiroshima würden die Einwohner von New York auf jede erdenkliche Weise verbrannt, zerschmettert, erschlagen und verstrahlt werden, nur wären es jetzt nicht Hunderttausende sondern Millionen von Menschen. Überlebende gäbe es in erster Linie nur unter den Personen, die sich an den Randbezirken des Explosionszentrums aufgehalten hatten – und sie wären gezwungen, wenn die Brände aufflammen würden, Familienangehörige und andere Menschen, die zur Flucht nicht mehr in der Lage wären zurückzulassen oder mit ihnen zu sterben. Und wie damals in Hiroshima würden sich nach kurzer Zeit  zwischen brennenden Ruinen Prozessionen verletzter, stummer Menschen bilden und langsam die Außenbezirke der verwüsteten Zone verlassen. Es wären jedoch prozentual gesehen weniger Menschen als in Hiroshima, denn in der Regel gilt: Je größer das verwüstete Gebiet, desto geringer die Chance zur Flucht. In New York würden die meisten Menschen auf der Stelle sterben, wo sie sich zum Zeitpunkt der Explosion befunden hätten – oder zumindest nicht weit davon.

Wird die Bombe am Boden und nicht in der Luft gezündet, ist wären die Folgen teilweise anderer Art. Z.B. hätte der Feuerball einen Durchmesser von ca. 3 km. Die Hitzewelle hätte dann ungefähr die Reichweiter der Druckwelle. Innerhalb des Feuerballs würde so gut wie alle Dinge zunächst pulverisiert, verschmelzen und dann verdampft. Alle Menschen würden zu Rauch und Asche – Sie wären einfach nicht mehr da. Außerdem werden große Mengen radioaktiven Niederschlags erzeugt, wenn mit der Pilzwolke Staub und Trümmer aufsteigen. Fast unmittelbar danach verseucht dieser Niederschlag den Boden unterhalb der Wolke mit Strahlenengen, die ein Vielfaches der tödlichen Dosis betragen und jeden sofort töten, der Hitze- und Druckwelle überlebt hat und nun zu fliehen versucht. Noch ca. 24 Stunden lang geht radioaktive Niederschlag in Form einer ellipseförmigen Wolke nieder, die, vom Explosionsherd aus gesehen, in Windrichtung liegt, wobei Lage und Ausdehnung von dem Wind abhängten. Ist die Windgeschwindigkeit z.B. 25 km/h, so geht ein Niederschlag mit tödlicher Strahlendosis auf einem Gebiet mit 80 Kilometer Länge und 50 Kilometer Breite nieder. Auf einer Strecke von weiteren 200 Km in Windrichtung wird der Niederschlag zwar keine (unmittelbaren) tödlichen Folgen mehr haben, aber schwere Erkrankungen hervorrufen.

Wenn wir beschreiben, wie sich die Explosion einer 1-Megatonnen-Bombe auf New York auswirken würde, so vermitteln wir eine gewisse Vorstellung davon, wie die nukleare Explosivkraft einer Megatonne von den betroffenen Menschen erlebt würde. Wahrscheinlicher wäre jedoch, dass gegen eine Stadt wie New York eine 20-Megatonnen-Bombe eingesetzt würde, welche die 1600fache Explosivkraft wie die Hiroshimabombe besäße.“ (Frei zitiert aus dem Buch „Das Schicksal der Erde – Gefahr und Folgen eines Atomkrieges“ (ISBN 3-423-10258-6) von Jonathan Schell)

Nehmen wir an, der kalte Krieg würde wieder beginnen. In den Beständen Russlands und der USA befinden sich noch immer Hunderte, wenn nicht Tausende Bomben von teilweise größerer Zerstörungskraft, als jene deren Wirkung oben beschrieben wurde. Nehmen wir auch einmal an, dass es irgendeine Fehlfunktion bei einem dieser beiden Länder gibt, welche eine Rakete in die jeweils andere Richtung schickt. Die Personen welche für den Abschuss der schon im Vorfeld auf bestimmte Ziele gerichteten Atomraketen werden auf Grund der Abschreckung gegen einen Angriff schon so „programmiert“, dass sie in jedem Fall auf den Auslöser drücken. Könnte sich ein Land jemals Sicher sein, dass ein Vergeltungsschlag ausbleiben würde, hätte es ja (zumindest auf kurze Sicht gesehen) nichts zu befürchten. Sagen wir mal eine Russische Rakete fliegt also in Richtung USA und aus irgendeinem Grund, ist grade keine Person mit hohem Bestimmrecht zugegen, als das rote Telefon klingelt um den schrecklichen Irrtum aufzuklären. Kurz nachdem die Rakete auf den Schirmen der USA erscheint machen sich einige hundert amerikanische Raketen auf den Weg gen Russland, welche wiederum nun vor der großen Frage stehen: Sie wissen, dass es ihr Land in einigen Minuten nicht mehr geben wird. Es werden nicht nur die Menschen sterben, also alle, sondern auch die Tiere, die Pflanzen, die Kulturen, das Wissen, Streitereien, sei es nun der Tschetschenien-Konflikt oder ein privater Streit in der Familie, Liebe, Trauer, Wut und alles was den ganzen asischen Kontinent ausgemacht hat. Weg. Nicht mehr vorhanden. Aber wenn sie nun auf den Knopf drücken, wird es die ganze Welt nicht mehr geben. Es ist so, dass die Folgen von ca. 200 großen Atombomben, welche zur selben Zeit auf einem großflächigen Gebiet detonieren, auf  einen längeren Zeitraum ihre Strahlung auf der ganzen Welt verteilen. Die Folge wäre vermutlich, dass zunächst die Vögel, Fische und Säugetiere, dann die Bäume und schließlich die kleineren Pflanzen und Kleinstlebewesen aussterben würden (teils direkt durch die Bomben, teils durch die Strahlung und teilweise, weil sie keine Nahrungsstoffe mehr finden). Es wurde nachgewiesen, dass einige Insektenarten, wie die Kakerlake einen „atomaren Winter“ überleben könnten. Auch verschiedene Grass Sorten kommen ganz gut mit nuklearer Strahlung zurecht. Bloß fressen Kakerlaken nicht unbedingt Grass, denke ich, was deren Untergang schließlich doch besiegeln würde. Außerdem wird die Ozonschicht die nächsten 30 Jahre zu weiten Teilen nicht mehr vorhanden sein. Unser Planet sieht also ca. 50 Jahre nach einem großen Atomkrieg so aus, dass die einzige Lebensform auf dem ganzen Planeten eine (vermutlich) englische Rasensorte wäre. Vielleicht würde es auch noch einige Mutationen geben, wovon aber hier einfach mal nicht ausgegangen wird. „Was macht den das für einen Eindruck, wenn nun Außerirdische zu uns kämen…“ wird sich der russische Soldat nun fragen. Und vermutlich, weil er es so befohlen bekam, auf den Knopf drücken.

Als Schlusswort sollte hier einfach mal Dwight Eisenhower zitiert werden, der schon 1956 in eine Brief zu dem Schluss kam, eines Tages müssten sich beide Seiten (heutzutage wohl: Alle) „in der Erkenntnis zusammenfinden, dass das Zeitalter der Aufrüstung vorbei ist und die Menschheit ihr Handeln mit dieser Weißheit in Einklang bringen oder sterben muss.“

Veröffentlicht in Artikel Reportagen