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Skapes

Durch Zufall bekam ich zu hören dass am Freitag die Skapes im Egons spielen sollten. Nun, ich hätte es wohl auch so noch raus gefunden, da mich Nilz, der Ausnahme-Bassist der grad genannten Band ansprach: „Du kommst doch auch, nicht? Dann ist ja gut, wir brauchen deinen Verstärker!“ Supi. Und noch besser, dass mir an eben jenem Freitag ziemlich früh Morgens einfiel, dass mein Amp schön und sicher vor eventl. Punk-Konzis im Keller unseres Drummers stand und dieser grade in Kiel war. Jetzt ist guter Rat teuer, da die werten Skapes mit dem Zug fahren wollten und der Weg zum Egons vom Bahnhof ziemlich weit ist. Naja, denk ich mir, hol ich die eben dann da ab und fahr die dann da rum. „Alles klar“, bekomm ich als Antwort, „um 18 Uhr sind wir da.“

–Zeitsprung-

Es ist mittlerweile 18.30, da beschleicht mich das dumpfe Gefühl, verarscht worden zu sein. Selbst beim hundertsten „Umschauen“ hält der Bahnhof, nach ner knappen Stunde einfach keine Überraschung mehr parat. „Naja“, sag ich mir mit einem nicht unbedingt kleinen Gedanken an diverse, eisenbeschlagene Baseball-Schläger, „fahren wir doch mal zum Egons und kucken was da so los ist…“. Gesagt (bzw. gedacht) – Getan!

Am Ziel angekommen, erwartet mich ein Haufen saufender, freundlich lächelnder Ignoranten und der Bassverstärker der anderen Band. Hinterhältige Versuche mich mit Bier zu besänftigen klappen auf Anhieb und der Gutschein für eine Linsensuppe im Backstagebereich macht alles wieder gut. Den Eintritt erschleiche ich mir in dem ich großkotzig erzähle, ich wäre für das Licht zuständig, was im Nachhinein noch nicht mal gelogen ist.

Die nächsten 3 Stunden gehen dann ohne weiter bemerkenswerte Augenblicke vorüber. Thomas, seines Zeichens Gitarist und Sänger von Skapes, fängt an zu weinen, weil die anderen seiner Band Bier trinken und einige (chaotische) Runden Tischtennis/ -Fußball sorgen für Kurzweil.

Irgendwann fängt die erste Band an. Weil ich kein Bock hab um nen Tisch zu rennen und nen kleinen, unschuldigen Ball zu hauen, mach ich das Licht (werd sogar noch gelobt!), vergesse aber den Namen der Band. Ist aber auch nicht weiter schlimm, denn dass was wir nun zu hören bekommen hat nicht soo viel mit Punkrock zu tun. Pop-Rock oder so. Da finde ich die Leute vor der Bühne schon sehr viel interessanter. Es ist so wie so sehr voll für das sonst oft sehr leere Egons. An die 80 Leute haben sich hier eingefunden. Unter ihnen auch eine Gruppe von  (ich glaube) 12-Jährigen, welche abgehen, als hätten sie diverse Insekten in ihren Ärschen. Ja, Punk wird wohl selbst in Winsen nicht sterben. Das scheint jetzt Gewiss. Der Nachwuchs ist ordentlich dabei. Während ich noch kucke, ist das Konzi zu Ende und die Skapes fangen an ihr Zeux auf zu bauen.

Fast sind sie fertig, da steht doch auf einmal irgend so ein Mädchen auf der Bühne: „Ich will unbedingt Musik machen“ sagt sie zum verblüfften Publikum, „Spielt mal was ihr Penner!“ zu den erheiterten Skapes. Sachen gibt’s, sag ich mir, und beobachte das Geschehen aus meinem Licht-Macher-Aquarium. Nach einer Weile geht sie dann von der Bühne. Fürs Erste.

Skapes fangen an zu spielen. Nach dem Pop-Kram von davor hauen die jetzt ordentlich rein. Nun Fangen auch die „älteren“ Zuschauer das Pogen an und das auch nicht zu Knapp.

Skapes haben sowohl Ska-Parts, Jazz-Riffs als auch Hardcorepassagen in ihrem Liedgut. Macht alles in allem ordentlich Laune. So kann das weiter gehen denk ich mir, als die vermeintliche Sängerin wieder auftaucht. Sie möchte jetzt was singen. Die Skapes spielen einfach mit dem nächsten Song weiter und sie, nennen wir sie mal Frau-X, singt los. Was genau kann niemand wirklich erkennen. Ich glaube es war etwas von Shakira (oder wie man die schreibt…), auf alle Fälle hat es nicht gepasst. Sämtliche Versuche sie zum schweigen zu bringen, z.B. Bier übern Kopf schütten, scheitern kläglich. Ein Song von Bad Religion, von dem Frau-X offiziell den Text kennt ist nächster Punkt auf der Tracklist. Nur können die Skapes dieses Lied nicht mehr, was drohte ein ziemliches Chaos zu verursachen, wenn nicht die Freundin vom Skapes-Gitarristen Sven die Situation fix gerettet hätte. Kurz entschlossen springt sie auf die Bühne und stimmt in der nun sehr lustigen Runde den Klassiker „Blitzkrieg Bob“ an, was von der Band dann auch fix angenommen wir. Auf der Bühne beginnt  eine (fast) perfekte Endlos-version des Liedes und vor der Bühne wird in ordentlichem Pogo den Ramones gehuldigt. Das ich das noch erleben darf (wo ich am nächsten Tach doch so früh aufstehen muß…). Naja. Die Skapes merken dass der Höhepunkt erreicht ist und beenden ihren grandiosen Gig. Ich hätte mich fast tot gelacht in meinem Aquarium. Würde man die Skapes nicht kennen, könnte man ja meinen das wäre alles geplant gewesen. Nix da! Das war 100% Punkrock. Nichts anderes. Naja.

Die dritte Band hab ich dann leider nicht mehr gesehen. Zunächst hat mich eine Cover-Version von Blink182 verschreckt und schließlich musste ich auch früh raus. Man soll so wie so gehen, wenn’s am schönsten ist. Auf alle Fälle werden sich einige Leute jetzt öfters im Egons einfinden. Wenn es wieder heißt: Ähm… naja. Lassen wir das.

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