Springe zum Inhalt →

Take Action Festival 2005

Schneverdingen ist auf Straßenkarten ja recht gut zu finden, wenn man nur ca. 30 Km entfernt wohnt und eine ungefähre Vorstellung von der Lage dieser Ortschaft hat. Das „gefunden“ allerdings noch nicht „erreicht“ bedeutet, zeigt sich spätestens beim genauen Studieren des oben bereits erwähnten Planes. „Alle Wege führen nach Schneverdingen“, könnte ein altes Sprichwort lauten, bzw. auch keiner. Ist man aber erst einmal unterwegs, eröffnen sich einem die Pfade zum Ziel aller Träume (in diesem Fall: Schneverdingen) dann doch wie von selbst. Nur war das Ziel ja nicht nur Schneverdingen an sich, sondern genauer: Das FZB.

Blöde war der Typ ja doch irgendwie. Also der der den Flyer gestaltet hatte. Weder Adresse noch sonstiger Hinweis für Nicht-Ortskundige fand sich auf jenem Info-Zettel. Für uns hatte das schließlich zur Folge, dass wir ca. 100m von den besagten Räumlichkeiten entfernt auf eine Tanke fuhren um jenen Stachelverzierten Hinterkopf eines Mitarbeiters nach dem Weg zu fragen.

Hierzu sei gesagt, dass mich sein hinterhältiges Lächeln sofort misstrauisch machte. Im Nachhinein war ich aber wohl doch etwas voreilig mit meiner Meinungsbildung diesbezüglich, da er uns schließlich lebhaft und anschaulich (mit Händen und Füßen und einem Stachel über der Stirn von beachtlicher Länge) den rechten Weg wies. Übrigens völlig überflüssig, denn kaum hatten wir die Strasse in angegebener Richtung erreicht, sahen wir bereits ein, für die Größe von Schneverdingsbums recht beachtliches Bullenkontingent. Hierzu aber später mehr.

Wir jedenfalls fuhren fix auf den nächst besten Parkplatz, riefen dabei dem vorüber schreitenden Skapes-Gitarrenschramler Sven wüste Verwünschungen zu (vorsichtshalber mit geschlossenen Fenstern – Sven ist mancher Orts auch als Knochenstampfer-Kopfabbeißer berüchtigt – Wer ihn kennt wird verstehen warum…) (oder auch nicht?!?) und machten uns, beladen mit Bier und ein paar Akroxen auf gen Eingang.

Hier lungerte das Pack bereits in stattlicher Anzahl. Vielleicht hätte ich Tags zuvor doch nicht im Internet bekannt geben dürfen, dass es hier und Heute zum ersten Mal das Akrox #4 zu kaufen geben würde. So einen Ansturm hab ich ja dann doch nicht erwartet. Nun, klammheimlich versteckte ich die Hefte erst einmal wieder in meiner Tasche, schließlich wollte ich ja auch nicht für einen Aufstand verantwortlich sein (hatte ich eben nur 20 Ausgaben eingepackt) und machte mich auf um bei zufällig ausgewählten Personen im Zielgruppenbereich vorsichtig nach dem Stand der Dinge zu forschen. Die ersten kleineren Personengruppen schienen doch tatsächlich nur wegen des Konzis hergekommen zu sein. Das beruhigte mich dann doch ein wenig und voll neuen Mutes wagte ich es schließlich eines der Hefte offen zu zeigen und es ein paar Leuten gradheraus anzubieten. „Äh, dass muss man lesen oder? Da investiere ich doch lieber in Bier und Alk und so. Bin ja schließlich’n Punker!“ „Dat is ja auch ne Punkerzeitung.“ „Hm.“

Langsam aber Sicher beschlich mich das dumpfe Gefühl, all die Leute wären gar nicht wegen dem Akrox hier. So kehrte ich dann auch ein wenig beleidigt zu den anderen zurück, welche mittlerweile ihr Bier geleert hatten und nun frösteln in der Runde standen. Man entschloss sich in Anbetracht der Dinge nun erst einmal die Räumlichkeiten zu betreten. Dort war es wenigstens warm.

Im Inneren erwartete uns ein wütender Mop von etwa 50 bis 100 Punks und solchen, die es gerne wären/waren/gewesen sein werden, welche drei Skinhead, die wohl mutmaßlich faschistische Ansichten ihr Eigen nannten, mit lautem Gebrüll und „Nazis raus!“-Rufen des Hauses verwiesen. Da ich den Anfang verpasst hatte, kam mir das Ganze ein wenig merkwürdig vor. Aber dazu später mehr.

Wie ich beim Merch-Stand (wo ich übrigens doch noch ein paar Hefte loswurde) erfuhr, hatten wir auch konzerttechnisch den Anfang verpasst. So hatten, wie mir Thomas (seines Zeichens Skapes-Sänger + Gitarrenstreicher) mitteilte, die Skapes ihren großen Auftritt schon hinter sich und er selbst sei übrigens cool. Das war der Moment, wo ich versuchte mir in den eigenen Allerwertesten zu beißen. Allerdings merkte ich schnell, auch anhand der Blicke die man mir zu warf, dass es sich dabei um ein sinnloses Unterfangen handelte und amüsierte mich stattdessen über die Erzählung von jemanden, der auf der Suche nach dem goldenen Land (in diesem Fall SchneverdingDongDolli) doch tatsächlich fast 50 Km in die falsche Richtung gefahren war. Erst kurz vor Hannover bemerkte er seinen Irrtum. Außerdem lobte er das letzte Akrox, ganz zu meiner persönlichen Freude.

Während ich einige Zeit später mit Sara (die hiermit mal erwähnt sei) noch überlegte, wo wohl am nächsten Morgen die Abdrücke des Eingangsstempels zu finden sein würden, fing auch schon die zweite Band des Abends an zu spielen. „The Hermans“ mit Namen, legten sie mit ihrem Hard Lane Punk (stand auf dem Flyer – Ich würd es mal einfach als Nu-Metal abtun) los. Ich hatte das Gefühl, dass ganze schon ca. 100 Mal gehört zu haben. Musikalisch einwandfrei, aber absolut nicht meine Sache. Ein paar Anderen schien es aber gefallen zu haben, denn der Mosch- und Pogopit konnte sich nicht über mangelnden Zuwachs beklagen. Na, wer’s mag. Zwischendurch meinte Thomas er sei cool und ich machte mich auf den Weg zum Klo.

Auf Konzis scheissen zu müssen ist ja schon beschissen genug. Besonders Scheisse wird’s, wenn einem, nach dem man schon einige Zeit vor rot markierten Türen gewartet hat, das erste offene Klo vom Skapesschlagzeuger wechgeschnappt wird. Wie versprochen findet dieser Frevel hiermit seinen Platz in diesem Bericht. Jap, diese Skapes haben sich an diesem Abend nicht unbedingt mit Lorbeeren beschmückt… Aber ich merk mir das einfach, ihr werdet schon sehen!

Die nächste Band war „The French Fries gone bad“. Unlängst als Posaunenpunks und Eichhörnchenvergewaltiger berüchtigt, gingen sie mir schon um einiges besser ins Ohr als die Hermannen. Als Organisatoren und Local Act hatten sie das Publikum von Anfang an auf ihrer Seite. So wurde der Saal langsam schwül-warm und mich trieb es wieder durch die Gegend.

Nilz war übrigens auch mit von der Partie und hatte das ein oder andere Bierchen bereits vom Licht der Welt getilgt. Irgendwie ist er ungefähr zu dem Zeitpunkt verschwunden, was aber niemanden sonderlich wunderte, war er ja schließlich schon geraume Zeit mit zitternden Händen und animalischen Gebrüll durch die Flure geschlappt. Er tauchte erst dann wieder auf, als ZSK anfingen zu spielen. Kurz davor sollte aber noch der großangekündigte Vortrag der örtlichen AntiFa über die braune Scheisse der Umgebung für den informativen Teil des Abends sorgen. Nunja. Warum auch immer, aber der Redner beschränkte sich dabei auf den klugen Ratschlag in Anbetracht des jüngsten Vorfalls mit den mutmaßlichen Nazis (zur Erinnerung: Es waren drei) wegen eventueller Racheaktionen doch lieber in Gruppen den Heimweg anzutreten. Ich persönlich hätte mich ja über Ausrufe wie z.B.: „Und wenn ihr unterwegs Nazis seht, dann haltet an und schlagt sie alle tot!! Muharhar!!“ gefreut. Tja, man kann halt nicht alles haben.

Nachdem die Jungs von ZSK auch ihre Meinung zu diesem Thema verkündet hatten, fingen sie letztendlich auch irgendwann an zu spielen. Pogopit war dann auch schön voll – Wunderbar. Irgendwann fiel es jedoch irgendeinem Idioten ein, Nilz die Mütze vom Kopp zu rupfen und sie in der Meute verschwinden zu lassen, was letzteren dazu motivierte sich von nun an, recht grimmig dreinschauend, auf die Suche nach der genannten Kopfbedeckung zu machen. Als die Situation dann kurz nach Ende des Konzis fast zu eskalieren drohte, rettete die liebe Sara mit dem Fund der verlorengeglaubten Mütze grade noch rechtzeitig den unbeschadeten Zustand des Gesichtes eines anscheinend Unschuldigen. Er hatte irgendwie Nilz sein Misstrauen geweckt, kam aber schlussendlich mit einem Schrecken davon. Ein wahrhaft lustiger Abend.

Wir machten uns kurz darauf dann auch auf den Heimweg. Thomas verabschiedete sich noch mit einem obligatorischen „Ich bin cool“ und verschwand dann wieder im Getümmel ohne unser zustimmendes Nicken abzuwarten. Man kann den Kerl einfach nur lieb haben und knuddeln. Und das nächste mal, wenn der Spruch kommt, gibt’s spätestens beim „Ich bin…“ eins auf die Schnauze!

Auf dem Rückweg entbrannte noch zeitweilig eine Diskussion, in welcher die These aufgestellt wurde, die Bullen wären von ZSK engagiert und die mutmaßlichen Nazis nur verkleidetet Roadies. Stimmungsmache passend zum Abend? Natürlich ist das Blödsinn, aber es könnte ja so gewesen sein.

Fotos vom Abend: textfresser.de

Ähnliche Artikel

Veröffentlicht in Artikel Konzerte