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Und sonst so?

Nachdem ich die Fliegenklatsche von der, nun kaum mehr als ein Fleck an der Wand zu erkennenden Mücke nahm, wurde ich plötzlich nachdenklich. Ich meine, schließlich hatte ich eben ein Leben ausgelöscht. Zugegeben ein wirklich wahrhaft nerviges, wenn man die 2 letzten schlaflosen Nächte in Betracht zog, aber immerhin! Die erwünschte Genugtuung, welche ich noch auf meiner Pirsch nach dem Störenfried spürte, war jetzt völlig verloren gegangen. Statt ihrer stellte sich nun eine unbeschreibliche Leere ein. Was hatte ich nur getan? Was hätte noch alles passieren können?

Nehmen wir doch mal an, dieser letzte, endgültige Schlag hätte sein Ziel verfehlt und die Mücke wäre, ihr Heil in der Flucht suchend, aus dem Fenster geflogen. Vielleicht gradewegs in den offenen Mund eines Radsportprofis beim Training hinein, welcher dann vor Schreck einen unüberlegten Schlenker auf die Strasse gemacht hätte. Vermutlich wäre just in diesem Augenblick ein LKW, dessen Fahrer schon seit gut zehn Minuten dem viel zu langsamen Radfahrer folgte (und dabei ungeduldig auf eine Chance zum überholen wartete), in diese beginnende Kettenreaktion geraten und hätte die ältere Dame auf dem Bürgersteig knapp verfehlend, einen Lampenpfahl umgeheizt. Dieser wäre auf das Dach des Wagens vom örtlichen Bankenboss gefallen, was diesen, grade mit einer (seiner Meinung nach) tollen Idee (eine funktionierende Lösung für alle kriegerischen Konflikte auf der Welt) auf dem Weg zum Bundestag in Berlin, zum Bahn fahren verdammt hätte. Dadurch wäre er viel zu spät angekommen um seinen alten Schulfreund „Joschi“ (der ja immer noch kein Handy hat) vor dem Eingang abzufangen und ihm die oben genannte Idee zu erläutern. Das alles führt nun dazu, dass „Joschi“ ohne den geringsten Schimmer das Reichstags-Gebäude betritt, wo der werte Bundeskanzler just in diesem Moment ein Spitzentreffen mit dem zur Zeit amtierendem amerikanischen Präsidenten hat und etwas verlegen auf die Uhr kuckt, da sein Außenminister noch immer nicht zugegen ist. Um es kurz zu machen: Joschi kennt die Idee nicht, kann sie dementsprechend auch nicht an den Ami-Präsi weitergeben, der nach einigen Tellern Sauerkraut und Döner, etwas enttäuscht seinen Flieger besteigt und gen Westen fliegt, wobei er sich entscheidet nun doch im Iran einzumarschieren und Nord-Korea einfach links liegen zu lassen. Der „No-Ko-Präsi“, würde nun vermutlich außer sich vor Wut ob dieser Respektlosigkeit seine gesamten, in Russland gekauften A-Bomben (war´n wirkliches Schnäppchen, dem Kapitalismus sei dank!) nach Süd-Korea schießen. Da diese aber mit selbst gebastelten Trägerraketen bestückt sind würde je eine nach Pakistan und Indien fliegen und dort das Fass endgültig zum überlaufen bringen. Ein kurzer aber heftiger Atomkrieg würde folgen, wobei Israel die Gunst der Stunde nutzt und Palästina an den König von Marokko verkauft. Nun eines Problems ledig, würden sie sich eventuell aus der nun entstehenden Langeweile ein paar neue Testamente ausdenken, woraus sich 5 neue militante Christentums-Varianten und eine, einen Frosch-Gott verehrende Religion entwickeln würde. Letztere löst knapp drei Monate später den Islam als Weltreligion ab und ruft zum traditionellen Froschgott-Fest (welches den rituellen Massenselbstmord beinhaltet) auf. Die Menschheit stirbt mit einer einzigen Ausnahme völlig aus. Da Bayern noch immer von der etwas konservativen Christen-Union regiert wird, welche es schafften das Bundesland mit Hilfe fast unvorstellbaren Mengen Weißbier vor der Froschgott-Religion zu retten, wird das Bayern nun zur Weltmacht und die Erde von nun an „der blau-weiße Planet“ genannt.

Ich zucke kurz mit den Schultern, kratze die Überreste der Mücke von der Wand und mach mich daran, endlich mal wieder ein ordentliches Buch zu lesen. Vielleicht eines über Wasseramphibien… vielleicht aber auch nicht.

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Veröffentlicht in Artikel Kurzgeschichten