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Wer das ließt ist blöd – Teil 1

Es war einer dieser typisch beschissenen Tage, an denen man schon vor dem aufstehen am liebsten kotzen würde. Eigentlich nichts besonderes, wenn man mal davon absah, dass da so ein beknackter Außerirdischer genau auf meinem Auto gelandet war. Ich hatte es grade für siebenhundert Euro wegen dem TÜV repariert und nun war es nur noch Matsch, so weit ich es unter den Trümmern des Ufos erkennen konnte.

Seufzend riskierte ich einen Blick auf die Uhr. Schon halb zehn. Um neun hatte die Arbeit angefangen.
Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zum Ortsausgang um, wie in solchen Notfällen üblich, die paar Kilometer zur Arbeit zu trampen.
Schon seit Monaten wurde in meiner Strasse gebaut. In der Zeitung hatte ich gelesen, dass die Gehwege und der Straßenbelag erneuert werden sollten. Im Moment sah das ganze aus wie eine Cross-Strecke für Motorradfahrer und der Bürgersteig war kaum mehr als ein zwanzig Zentimeter breiter Rasenstreifen. Auf eben diesem humpelte nun grade eine ältere Dame mit Stock, was mich vor die Wahl stellte, entweder langsam hinterher zu trotten oder in eines der viel zu tiefen und mit Schlamm und Regenwasser gefüllten Schlaglöcher zu treten. Überholen war hier eine hoffnungslose Angelegenheit.

Als ich nun wieder ungeduldig auf die Uhr glotzte, kam mir eine dritte Möglichkeit in den Sinn. Während ich den Stock der Alten mit dem Fuß zur Seite kickte, pogte ich gegen ihre Flanke. Ein schneller Beinhaken gab ihr dann den Rest. Ein kurzer Schulterblick zeigte mir grade noch wie der halb-antike Hut der Dame in  der Tiefe einer der größeren Pfützen versank.
Nun wo der Weg frei war, machte ich richtig Tempo und kam schließlich zu der Kreuzung, welche den Ortsausgang markierte. Zu meiner Bestürzung standen dort schon einige hundert Tramper. Mit einem Seufzer stellte ich mich hinten an und wartete darauf, dass ich an die Reihe kam.

Als ich meinen Blick schweifen ließ, bemerkte ich zu meinem Erstaunen, dass dort tatsächlich jemand an der gut zwanzig Meter entfernten Bushaltestelle stand. Der Typ musste wirklich Nerven aus Drahtseilen haben. So was war hier schon seit fast einem Jahr nicht mehr vorgekommen. Er blickte sich immer wieder gehetzt um.
Mittlerweile waren auch andere der Tramper auf ihn aufmerksam geworden und das leise Gemurmel, steigerte sich langsam zu einem bedrohlichen Brummen.
Dann plötzlich kam der Bus. erst zügig fahrend, dann stockend und schließlich ganz langsam näherte er sich der Haltestelle. Der Fahrer schien, soweit ich sehen konnte, von dieser neuen Situation völlig überfordert zu sein. Verwirrt nahm er sein Funkgerät und sprach, hektisch zappelnd, hinein. Dabei ließ er die Busstation keinen Moment aus den Augen.
Schließlich legte er das Gerät wieder weg, atmete tief durch und fuhr das letzte Stück zur Bushaltestelle, wo er zögernd stehen blieb. Als der Wartende den Bus betrat, schien es, als gehe die Welt unter. Mit einem wütenden Brüllen stürzten sich  hunderte Tramper auf den Bus mit dem Verräter, schlugen die Scheiben ein und warfen ihn schließlich auf die Seite.
Ich nutze derweil die Gelegenheit und schnappte mir das nächste Auto. Nach kurzem Gerede von Wegzielen und polizeilichem Führungszeugnissen, fuhren wir los und ich blickte noch einmal zurück. Nicht nur der Bus sondern auch das halbe Dorf stand mittlerweile in Flammen, riesige Rauchschwaden verdunkelten den Himmel, Sirenen heulten und eine ziemlich großer Tross schwer bewaffneter und gepanzerter Polizisten lieferte sich mit den Trampern eine blutige Straßenschlacht.

Zwei Minuten später  kam ich bei meiner Arbeitstelle an und stieg, ein paar Dankworte murmelnd aus. Während  in der Ferne der dumpfe Donner der von Düsenjägern abgeworfenen Bomben verhalte, nahm ich meine Hacke und machte ich an die Arbeit.

Als ich zwei Stunden später zurückkam, fand ich das Haus in dem meine Wohnung war als einzig heiles in einem, sich kilometerweit in alle Richtungen erstreckenden Schutthaufen wieder. Das Ufo auf meinem Auto war mittlerweile weggeräumt worden und der Wagen, aus unerfindlichem Grund, bis auf ein paar Kratzer und einer Beule im Dach unbeschadet. Am nächsten Tag machte ich Blau und fuhr an die Nordsee, aber das ist eine andere Geschichte…

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Veröffentlicht in Artikel Kurzgeschichten