Ich will mal dort Anfangen wo die Jubiläumsausgabe des Human Parasit aufhört: Auf der letzten Seite (Mal abgesehen von den Reviews). Dort gesteht mir der liebe Bäppi nämlich, dass er mich in Wahrheit doch ganz besonders dufte findet. Das finde ich total lieb von ihm und kann jetzt von ganzen Herzen sagen: Du, ich mag dich auch. Ok, man muss dazu sagen, das dieses Bekenntnis für alle gilt, die das Heft nicht auf dem Jubiläumsfestival in Flensburg erworben oder das Preisausschreiben der letzten Ausgabe gewonnen haben. Da trübt diese versöhnliche Aussage für mich aber um keinen Deut (Ich verschaffte mir übrigens Zugang zur Nummer 10 über den ziemlich sympathischen Black Moskito Mailorder, wo es das aktuelle HP noch immer gibt, hehe. Manchmal bin ich ein großer Fan von Inkonsequenz). Das schon genannte Festival und somit sowohl den 30. Geburtstag von Bäppi, als auch die 20 Kisten Freibier hab ich leider verpasst. Zunächst konnte ich mich nicht entscheiden ob ich doch lieber zum Fanziner-Treffen fahren wollte und dann war mir das Alles, im Halb-Jetlags des ersten Wochenendes zurück in D-Land, doch zu stressig. Zum 20. bin ich aber auf jeden Fall dabei.
Bäppi hatte dieses Mal besonders viele Hummeln in den Fingern und erzählt uns die Geschichte seines Fanzines vom beruhigend amateurhaften Beginn zur nahezu makellosen, vorletzten Ausgabe. Zu jeder Nummer seiner Gazette (Das Wort hab ich im Proud to be Punk gelehrt. Herzlichen Dank auch Jan, du Arsch!! :] ) gibt es einen Batzen Anekdoten serviert, sowie Infos zu den, sich im Laufe der Zeit, verändernden Lebensumstände des Herausgebers. Ergänzt wird die Chronik durch passende Besprechungen des Kollegiums. Auffällig ist, das nahezu alle Reviews zum Human Parasit (sehr) positiv ausfallen, wobei ich mir aber, nach den sechs mir bekannten Ausgaben, auch denken kann warum das so ist. Ist einfach Affentittengeil, dieses Zine. Dass es sich bei der Nummer 10 aber nicht um ein Geschichtsbuch, sondern trotzdem ein, wenn auch ungewöhnliches, Fanzine handelt, erkennt die/der geneigte LeserIn an den vielen Interviews, Kolumnen, Berichten und (einer) Kurzgeschichte, deren Schreiber/innen zumeinst aus der Gruppe der „namenhaften Vertretern der schreibenden Punkerzunft“ rekrutiert wurden. Am Besten hat mir das Interview mit der Norwegischen Band Knuste Ruter gefallen, welches von Clemens verzapft wurde. Zwar wird es wohl kaum einen Pulitzer Preis für fortschrittlichen Journalismus gewinnen, aber ich kann mich in diese chaotischen Gruppen-Intis immer sehr gut hineinversetzen. Macht einfach Spass zu lesen. Die restlichen Interviews sind sehr gut recherchiert und bringen teils sehr interessante, persönliche Seiten der Befragten ans Licht der Öffentlichkeit. Die Gefühle die ich beim Lesen hatte, waren sehr unterschiedlich. Bei Butz von Fucking Faces wurde ich richtig depressiv. Vielleicht lag es an den meist kurzen, knappen Antworten, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Typ kaum noch mit Leidenschaft dabei ist. Ich hoffe das da auf seinen Konzis in Zukunft mehr Leute mitsingen. Vielleicht klappt es dann irgendwann wieder. Den Gegenpol dazu bildete für mich übrigens die Befragung mit Timo (unter anderem vom Alerta Antifascista). Der gute Mann klang zwar aus guten Grund geknickt und enttäuscht, vermittelte aber in seinen Antworten absolut den Eindruck, dass er sich von diesen ganzen Idioten, die es in der Szene und außerhalb gibt, nicht unterkriegen lassen wird. Timo, ich drück dir die Daumen, dass du über die ganze Scheiße bald wieder lachen kannst.
Weiter geht’s (unchronologisch) zunächst mit Ainstains His-Story of Punk. Auch wenn man so was in letzter Zeit an allen Ecken zu Gesicht bekommt, find ich es immer wieder schön mal von Anderen die erlebten Anfangsjahre zu lesen. Vielleicht auch weil man sich oft wiedererkennt, vor allem bei den eher tapsigen, ersten (Iro-)Stehversuchen. Ein weiteres Highlight ist auch die Kurzgeschichte „Die Mofapiraten“ von Roland, deren einziger Makel meiner Ansicht nach in der teils übertriebene Detailversessenheit liegt. Manchmal muss man dem Leser auch Platz für die eigene Vorstellungskraft lassen. Aber trotzdem ein schönes Ding.
Über das Layout braucht man im Human Parasit ja eigentlich kaum noch Worte verlieren. Dieses Mal geht es dahingehend sehr schlicht, aber auch elegant zu. Passt aber damit sehr gut zum Thema des Heftes, dass ja eher ein Heftförmiges Buch ist. Einziger Kritikpunkt war für mich (als alter professioneller Gestaltungsfutzi – Deswegen auch das viele Gebastel im Akrox, ordentlich arbeiten kann ich bei der Arbeit!) die serifenlose Schrift, die einem oft das zweifelhafte Vergnügen des mehrmaligen Lesens so mancher Zeilen einbrachte. Diese Serifen haben schon ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sie vielleicht nicht soo modern sind. Man merkt schon, dass mir nicht viel zum Meckern einfällt und auch ein Blick das Cover lässt mich das wenige schnell wieder vergessen. Schöne Arbeit.
Bäppi, obwohl deine Hefte für mich seit langem zur Speerspitze der deutschen Fanzinelandschaft gehören, hast du ja mitbekommen, dass ich es dir noch lange verübelte, meine ersten Schätzchen unter anderem mit einem sechs Monate alten Aldiprospekt verglichen zu sehen. Ich denke, dass man in Reviews auch ohne solche Hiebe unter die Gürtellinie auskommen kann. Die sahen zwar ziemlich Kacke aus, wenn man sie mit anderen Heften vergleicht, aber es steckte trotzdem viel Liebe darin (die eigenen Ansprüche steigen halt auch). Deine Review hatte mich dementsprechend wirklich verletzt. Das sollte man vielleicht bedenken, bevor man solche Sprüche bringt, vor allem wenn man gleichzeitig auch auf eine blühende Fanzinelandschaft hofft. Nur mal so als Gedankenanstoß, nech. Ansonsten freu ich mich schon auf deine nächsten 10 Nummern. Die müssen dann auch nicht um die halbe Welt geschickt werden (Schulde ich dir eigentlich noch Porto?). Zumindest voraussichtlich.


