Mutabor – Individuum

Wie das bei Schülern normalerweise ist, hab auch ihr heute so richtig schön verpennt. Manchmal sagt man sich da: Gut, bleib ich halt zu Hause. Doch ist es erst eine Woche her, dass man sich vornahm, die Scheisse nun endlich mal richtig durchzuziehen, steckt man schon irgendwie in einer Gewissensfalle (falls es so etwas gibt). So hieß die Devise also heute: Sprinten! Ich bin jemand der nicht viel mehr hasst als Stress am Morgen. Morgenmuffel geht auch ganz gut als Beschreibung durch. So beginnt kein guter Tag. In der Schule hockten wir werdenden Screendesigner dann erstmal zwei Doppelstunden vorm PC. Kurz vor Ende dieser Kopfschmerzen verursachenden Zeitspanne (Manchmal muss man sich halt echt konzentrieren), fiel mir ein übler Fehler auf. Nicht zu beheben. Nicht zwischengespeichert. Zum kotzen. Aber nun ist ja Wochenende. Endlich.

Mutabor - IndividuumEtwa eine halbe Stunde später steh ich im Supermarkt um die Ecke und frage mich, ob die Dame an der Kasse vielleicht unter chronischer Boshaftigkeit leidet, als sie mir ca. 10 € in kleinen Geldstücken als Wechselgeld in die Hand drückt. Sie scheint sich dabei prächtig zu amüsieren. Sie hätte leider keine Scheine mehr. Wenigstens haben Sie einen unbewaffneten Menschen vor sich. Zuhause angekommen wartet noch eine Überraschung auf mich: Ein Päckchen mit CDs zwecks Revision, geschickt vom lieben Lars. Die hatte ich völlig vergessen. Und ich Trottel hatte gestern die CD-Review-Abteilung fertig layoutet und ausgedruckt. Die Kopfschmerzen erstmal ignorierend, schau ich mir den Inhalt des Päckchens mal an. Gleich oben auf liegt die Individuum von Mutabor. Und die sieht von außen aus wie etwas NuMetal-mäßiges. Innen wird’s noch schlimmer: Ein grellbunter Garten aus der Sicht von Biene Maja auf Acid, wie es scheint. Was hat mir die Briefeule denn da angeschleppt?

Resigniert schieb ich die Scheibe in den CD-Player. Dies ist nun der Punkt, wo sich das s.g. Blatt des Tages wendet. Aber nicht auf Knopfdruck, sondern langsam. Lied für Lied bessert sich meine Stimmung und anfängliche Zweifel verfliegen mit jeder Strophe und jeden Refrain. Was ist das für eine Band? Eigentlich hülle ich mich ja gerne in einen Mantel aus Ignoranz und Unwollen, wenn eine gewisse Geschwindigkeitsgrenze musikalisch nicht überschritten wird. Und dann kommt hier diese Band, bei der mir als erstes Worte wie „Tocotronicschrott“ und „Kuck-mal-wie-Alternativ-ich-bin“ einfallen. Weit gefehlt und irgendwie auch nicht. Aber nun sitz ich hier und muss ne Review schreiben, die schon alleine wegen der musikalischen Vielfalt drei Seiten lang werden könnte. Denn bei Mutabor gibt’s von der Flöte zum Alpenhorn, von der Gitarre bis zum Computer Abwechslung satt. Und das ganze verbreitet bei mir eine ungeheure Fröhlichkeit, wie wenige Platten zuvor. Obwohl dazu gesagt werden muss, dass man bei mir mit einem fixen Folkpunksong (wie in diesem Fall der namensgebene Song „Individuum“) wirklich nur Pluspunkte Sammeln kann. Das letzte Mal war ich unerwartet begeistert, als ich zum ersten Mal die Live-CD von Manu Chau hörte, von denen ich bis dato nur die Viva-Version von Bongo Bong kannte. Übrigens kann man Mutabor ganz gut mit der Musik von Manu Chau vergleichen. Zumindest, wenn man möchte.

Fazit: Wenn man Punk, Ska, Folk, Reggae und ne Priese Pop mit deutschsprachigen Gesang in einen Botisch schüttet, ordentlich durchsiebt, das Ganze in eine Form gießt, alles zusammen in einem Ofen (Umluft, oberes Schubfach) bei ca. 200°C etwa 20 Minuten backt und anschließend mit einem übergeschnappten Layouter verziert (also: gemeinsam), dann, ja dann bekommt man eine CD, die man sich ruhig ne längere Zeit immer wieder anhören kann – Zumindest, bis zum Ende des 16. Songs. Danach wird’s ziemlich unheimlich…

(Soul Food/CD)

Kommentare | Kategorie: Reviews, Tonträger

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