(R)ohrpost Fanzine #12

Reviews zu Fanzines sind so eine Sache. Ein Fanzine ist (meinst) etwas sehr persönliches. Die Leute schreiben über ihr Leben, ihr Umfeld oder ihre Gedanken, basteln alles individuell (oft per Hand) zusammen und vervielfältigen dann das Ganze auf verschiedene Art und Weise. Es geht nicht um Werbeanzeigen oder Objektivität, sondern vor allem ums Herz. Unter uns Fanzine-Leuten gibt es einen regen Austausch der Hefte. Auch weil die werte Leserschaft (Ja du, du faules…) nur sehr selten mal irgendeine Reaktion in ein Mailprogramm ihrer Wahl hackt, stellt dieser Austausch und das gegenseitige Rezensieren der Ausgaben, oft das einzige Feedback anderer Menschen dar, das über ein „Ist Super/Scheiße geworden“ hinausgeht. Das ist natürlich ein zwei schneidiges Schwert…

Im Laufe der Jahre lernt man ein wenig, von welchen Menschen man was erwarten kann. Zum Beispiel bekommst du vom Trust den Beschreibungstext von deiner Website vorgesetzt, vom Human Parasit ein wohlwollendes „Igitt!“ und beim Underdog ein psychologisches Gutachten. Grade weil man in das eigene Heft so viel Herzblut steckt (mal mehr, mal weniger) kann ein negatives Review erst mal wie ein Schlag unter die Gürtellinie wirken. Ich persönlich bin da meist erst mal ziemlich eingeschnappt, weine leise vor mich hin, motz dann etwas rum und, weil ich langsam älter werde, vergesse es nach ein paar Tagen wieder. Jeder Mensch hat seine eigenen, natürlichen Reaktionen mit Kritik umzugehen. Du freust dich ja auch, wenn dir jemand sagt. „Alles richtig gemacht! Weiter so“. Auch wenn es schwer ist, sollte man sich nicht alles so zu Herzen nehmen oder zumindest einmal Luft ablassen und weitermachen. Vielleicht versuchen etwas draus zu lernen („Den Arschlöchern schick ich nie, nie wieder was! ARGH!!“).

Und so kommen wir nun zu Torben und Maren vom (R)ohrpost, welche nun nach 12 Ausgaben anscheinend das berüchtigte Handtuch schmeißen. „Wie auch das PLASIC BOMB in seiner Ausgabe #92 richtig bemerkte, ist das Feuer, das für unser Fanzine loderte nun erloschen & wird nicht mehr neu entfacht – soll heißen, dass es keine weiter Ausgabe der (R)Ohrpost geben wird“. Der Grund dafür scheint eine Review zur Ausgabe 12 zu sein (und vermutlich noch einige andere Gründe), welche, man muss es schon zu geben, ziemlich hart war. Oder besser gesagt: Die Art und Weise, wie berechtigte Kritik hier angetragen wurde, war echt ne fiese Nummer und ich kann gut verstehen, das die beiden geknickt sind (die Review und die dazu passende Stellungnahme findet sich auf o.g. Seite). Aber: Nehmt es doch lieber als Ansporn es dem Typen mal so richtig zu zeigen, dass es auch anders geht. Auch wenn die Art scheiße war, die Kritik ist doch teilweise richtig. Wenn ihr nur wenig Zeit habt, dann lasst euch Zeit. Dann dauert es halt nicht nur ein Jahr bis zu nächsten Ausgabe, sondern zwei oder drei (oder auch fünf). Niemand stresst euch außer ihr selbst. Ein mehr oder weniger kopierter Wikipediabeitrag über 12 Seiten bringt doch niemanden etwas, außer der Seitenanzahl. Wenn euch das Thema am Herzen liegt, euch die Zeit aber fehlt, dann schreibt halt einen kurzen Text darüber, dass es euch am Herzen liegt, euch aber die Zeit fehlt und packt den Link zu weiteren Infos unten drunter. Oder ihr macht die Top-10-Liste der Dinge-die-es-nicht-ins-Heft-geschafft-haben. Auf jeden Fall: Hört nicht auf, weil euch jemand anpisst. Das Akrox wäre vielleicht nie über die dritte Ausgabe hinausgekommen, wenn ich mich nicht ständig über Bäppi geärgert hätte. Denkt einfach nochmal drüber nach. Ich bin sicher dass es viele Leute freuen würden, wenn ihr weitermacht.
Kontakt: rohrpostfanzine.blogsport.de

Kommentare | Kategorie: Print, Reviews

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